Allgäu Blog

Macher, Schaffer, Unternehmungen und Ziele im Allgäu

Schandfleck – ein Allgäu Krimi

von | Sinnig & Unterhaltsam

Schandfleck
Jürgen Seibold
Piper Verlag
Erstausgabe: Januar 2017

Um was geht es im Buch?

Der Allgäu-Krimi spielt in dem kleinen Dorf Obergassen, südlich von Kempten. In perfekter ländlicher Dorf_Idylle stört nur der Hof vom eigenbrötlerischen Garzinger. Die meisten Bewohner stört der heruntergekommene Hof im Zentrum, und sie würden ihn eher heute als morgen abreißen. Nur Manfred Garzinger - der relativ junge Besitzer - will weder verkaufen noch renovieren. Als er brutal ermordet in seinem abgewetzten Lehnstuhl gefunden wird, hält die gesamte Dorfgemeinschaft zusammen und schweigt. Kommissar Hansen - der Ermittler aus dem Norden - muß feststellen, daß im Allgäu so manche Dorfgemeinschaft ihre Probleme lieber selber regelt.

Die beteiligten Personen

Da ist der Manfred Garzinger - das Mordopfer. Jung und gesund und dennoch tragisch phlegmatisch in Bezug auf Arbeit und Werterhaltung seines Hofes. Er hat ein etwas gestörtes Verhältnis zu Menschen, so war auch der Tod seiner Eltern eher nebensächlich. Auch Freundschaften pflegte er tendentiell nur als Zweckgemeinschaft zum Biertrinken. Während seiner Militärzeit hatte er eine Beziehung zu einer Frau. Es geht um die Nachbarn - Alteingesessene und Zuazogene - und ihr schwieriges Verhältnis zu Manfred Garzinger und auch teilweise untereinander. Und es geht um den Immobilienmarkler Kugler, der bei allen Immobiliengeschäften in der Region seine Finger im Spiel hat. Der leitende Ermittler Eike Hansen ist ein waschechter Hannoveraner und trotz seines 5. Falls im Allgäu noch etwas fremd. Willi Haffmeyer, der Dank seiner direkten Art fast dauerhaft Kriminalmeister bleibt,kennt das Allgäu wie seine Westentasche und erklärt dem Niedersachsen Hansen gerne die Regeln im Allgäu. Kriminaloberkommissarin Hanna Fischer komplettiert das Ermittlerteam mit zupackender Art und dem Herz auf dem rechten Fleck. Die vierte im Bunde ist Resi Mayer, die Rechtsmedizinerin , mit der Hansen nicht nur beruflich verbandelt ist.

Der Aufbau der Geschichte

Die Geschichte wird in der Zeit zwischen Samstag, dem 22. Juli und Mittwoch, dem 26.Juli erzählt. Der Zeitraum zwischen dem Auffinden des Toten und dem Abschluß der Ermittlung. Der Leser ist "Live" bei der Ermittlung dabei.

Sprachliche Gestaltung

Dadurch, daß der Leser direkt bei den Ermittlungen dabei ist, kommen immer mehr Details aus der Vergangenheit ans Licht. Dieses sprachliche Stilmittel nimmt den Leser wunderbar mit in die Geschichte rein. Der Roman ist sehr kurzweilig geschrieben. Etwas zäh erscheinen mir nur die Erklärungen, mit denen Kommissar Hansen Hintergrundwissen über das Allgäu vermittelt wird. Dies ist für Nichtallgäuer zum Verständnis durchaus hilfreich. Für ungeduldige Allgäuer, die endlich das Geheimnis lüften wollen ist es zu langatmig. Aber wie soll man das Dilemma lösen ? 😉

Meinung zum Inhalt

Die Gesamthandlung ist in sich schlüssig. Die Verschwiegenheit der Dorfgemeinschaft, die VorzeigeIdylle nach außen und die kleinen düsteren Geheimnisse dahinter sind so beschrieben, daß sie in jedem kleinen Dorf in der Republik stattfinden könnten. Der regionale Bezug zum Allgäu kommt durch zahlreiche Beschreibungen der Wege, die die Akteure unternehmen. Dadurch ist man als Einheimischer ständig versucht, den Ort Obergassen genau zu lokalisieren. Unterhaltsam auch die kleinen Insider Beaumots wie z.B. den "Bärenteller" in Dietmannsried. Daß das Hobby des Mordopfers "Painball spielen" sich lange und geheimnisvoll durch die Geschichte zieht, baut einen sehr guten Spannungsbogen auf. Die Handlungen der einzelnen Akteure ist gut nachvollziehbar und logisch. Am Schluß wird meines Erachtens jedoch nicht so ganz klar, warum Manfred Garzinger mit soviel Brutalität sterben mußte. Hier wäre etwas mehr Täterpsychologie hilfreich. So kann man nur Mutmaßen, daß Zorn und Wut und eine gewisse Gruppendynamik wohl einiges aus dem Ruder laufen ließ.

Quintessenz

Alles in Allem eine sehr unterhaltsame Krimikost, bei der Lokalkolorit nicht zu kurz kommt, und etwas kauzige Eingeborene herrlich beschrieben werden.

Viel Spaß beim Lesen;
Deine Ulli