Frauenpower in der West-Allgäuer KFZ Werkstatt / Autohaus Feinaigle


18. April 2018 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Dienstleistung & Einkaufen


Frauenpower im Autohaus Feinaigle in Röthenbach, Westallgäu

Auch im traditionell geprägten Allgäu wandeln sich die Zeiten. Eine wirkliche Überraschung erlebte ich diesbezüglich in einer KFZ-Werkstatt in Röthenbach. Die Hälfte der Belegschaft ist weiblich. Und da meine ich nicht die Frauen im Büro. Eine konsequente Aufteilung von Mann und Frau. Ganz von alleine hat sich 50/50 ergeben: von den Lehrlingen bis zu der Meisterin, von der Werkstatt bis zur Verwaltung. Die Werkstattleitung? Ist souverän in der Hand von Kfz-Meisterin Sabine Seywald. Hier im Autohaus Feinaigle braucht es keine Frauenquote.

 

KFZ Mechanikerinnen und Mechatroniker im Autohaus Feinaigle in Röthenbach, Westallgäu

Yvonne, Ramona, Mini, Sabine, Dominique, Nadine, Brigitte Merath, Petra und Stefan Merath

 

Warum schreib ich jetzt hier im Blog darüber? Erstens, weil mich die geballte Frauenpower überzeugt hat, und zweitens weil fast gleichzeitig die Allgäuer Zeitung – immerhin das selbsternannte Sprachorgan aller Allgäuer – ein ganz anderes Bild vermittelt. Aber dazu später.

 

Die Frauenpower aus der KFZ-Werkstatt

 

Selbstbewußte junge Frauen, die anpacken können und garantiert nicht zickig sind – das sind die KFZ-Mechatronikerinnen aus Röthenbach: Sabine, Petra, Nadine und Dominique. Sabine und Petra sind bereits seit 12 Jahren in ihrem Beruf tätig und alle vier sind absolut zufrieden mit Ihrer Berufswahl im technischen Handwerk.

Während heute schon mehr Frauen das KFZ Handwerk lernen, war Sabine Seywald – die Chefin der Werkstatt – in der Meisterschule so ziemlich alleine unter den Jungs. Auch bei der Ausbildung zum/r Service-BeraterIn war sie als Frau exotisch. „Dieser Sonderstatus war nie ein Problem, aber man muß halt mehr Wissen und mehr bringen“, lacht sie.  „Männliche Kundschaft 70+, da muß heute noch die erste Skepsis mit Souveränität überwunden werden.“ ( Na, da bin ich aber froh, daß mein Eindruck über das traditionell-konservative Allgäu nicht ganz verkehrt war.) 

Die erste Ausbildung von Sabine fand im Büro statt: „Das war ok, aber nicht so ganz meines.“ Also zweite Ausbildung als KFZ-MechatronikerIn. Die Diskrepanz zwischen Werkstatt und Verwaltung existiert bei Petra nicht. Sie kennt beide Seiten – das nenn ich Horizont-Erweiterung. Chapeau!

Bei Petra zuhause gabs die Geschlechterrollen so nicht, denn Klein-Petra liebte es, mit Ihrem Vater an den Autos rumzuschrauben. Auch die ältere Schwester hat als Schreinerin, einen traditionell eher männlichen Handwerksberuf erlernt.

Lässig das rote Haar unter der Pudelmütze versteckt, so hantiert Gesellin Dominique souverän mit Bordcomputer, elektronischen Prüfsystemen, mit Schraubenschlüssel, Hebebühne und Ölfaß. Cooler Anblick!

KFZ-Mechatroniker-Azubine Nadine startet erst. Aber ich bin mir sicher, auch sie wird eine sehr gute KFZ-Mechanikerin.

 

KFZ Mechatronikerin im Allgäu

Beim Ölwechsel: KFZ-Mechatroniker Geselle Dominique und Azubi Nadine

 

KFZ Mechaniker bei Autohaus Feinaigle in Röthenbach im Allgäu

Keine Angst vor öligen Händen: Die Mechanikerinnen bei der Arbeit

 

 

 

Meine Nachfrage bei Stefan und Brigitte Merath

Besitzer des Autohaus Feinaigle in Röthenbach

 

„Warum sollen Frauen in diesem Beruf schlechter sein?“ – das war die Gegenfrage von Stefan Merath, als ich meine Verwunderung ausdrückte. „Die Mädels sind eher noch genauer und gewissenhafter bei der Arbeit. Und wenn es mal schwer wird, packen sie gemeinsam an.“ – erklärt er gleich noch dazu.

„Klischeehafte Frage von mir: Sind nicht gerade ältere männliche Allgäuer etwas iritiert und negativ zu soviel Werkstattweiblichkeit eingestellt? – „Kundenzufriedenheit ist unsere höchsten Prioritäten, meine Mädels beherrschen ihre Arbeit – und die gelieferte Qualität überzeugt den größten Skeptiker “.

„2005 bewarben sich die ersten – auch weiblichen – KFZ-Mechatroniker Lehrlinge in der alten KFZ.Werkstatt in Röthenbach. Ausgewählt wurde nach vielen Kriterien, aber garantiert nicht nach dem Geschlecht“ lacht die taffe Chefin.

 

Und jetzt weiß ich auch, warum hier alles so normal anderst wirkt, als in anderen Autohäusern und KFZ-Werkstätten: Es ist der herzliche Ton, der kollegiale Umgang, das Gefühl, daß Arbeit auch Spaß machen kann.Ob das an der Menge der Damen in Latzhosen liegt?  Egal, jedenfalls fühl ich mich als Kundin hier bestens betreut.

 

Autohaus Feinaigle

Hier ist Service Programm

 

Frauenpower im Autohaus Feinaigle - KFZ Mechatronikerinen

KFZ Meister Sabine, KFZ Mechatroniker Dominique, Azubi Nadine, KFZ Mechatroniker Petra (auch im Büro einsetzbar)

 

Allgäuer Zeitung vermittelt überholtes Rollenverständnis

Nochmals zurück zur Allgäuer Zeitung. Immerhin das wichtigste Informationsportal im gesamten Allgäuer Raum.

Ich hätte wahrscheinlich gar keinen Bericht über die Frauenpower im Röthenbacher KFZ-Gewerbe geschrieben, wenn mich der Bericht in der Ausgabe vom 7. April 18 über den Wandel des Berufs vom KFZ-Mechaniker zum KFZ Mechatroniker nicht aufgeregt hätte. Ein reiner Männerberuf, wie es scheint. Die Dame auf dem Bild steht im tussigen Zebralook mit verschränkten Armen und gelangweiltem Schmollmundblick neben der geöffneten Autohaube. Ja ich weiß, das ist alles gestellt, aber Hallo? Ist bei der AZ unser Jahrhundert noch nicht angekommen? Berufe im Wandel: Von DEM Schrauber zu DEM Mechatroniker! Liebe Bildzeitung, äh, Allgäuer Zeitung hier wäre etwas mehr Aktualität und Gleichbehandlung angebracht.

Übrigens, während die älteren Semester – ich schätz mal Meister und so – in den Artikelbilder in Latzhosen Ihrer Arbeit nachgehen, sind die jugendlichen Mechatroniker recht feine Pinkel!?!

 

Bericht Allgäuer Zeitung über KFZ-Mechatroniker

 

Quintessenz:

Das Allgäu und ihre Unternehmer sind moderner als man denkt.

Frauen können fast alles, und
die Allgäuer Zeitung sollte ihr Rollenverständnis überdenken!

Link: Autohaus-Feinaigle.de

 

Nur zur Info und Orientierung:

Das Autohaus befindet sich im Dreieck zwischen
den herrlichen Kuchen in Eglofs,
den himmlischen Kuchen in Simmerberg
und dem Koamerlädele in Ebratshofen.

 

 

Ulrike Heerdegen
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Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
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