Allgäu Blog

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Denkmal an Kaffee – in Gestratz

Macher & Schaffer, Schmankerl & Gutes

Wenn sich die Liebe zu (Bau)Denkmal mit der Begeisterung für Kaffee und Kuchen paart, dann entsteht – zumindest in Gestratz – ein kleines, liebevoll restauriertes und familiäres Cafe mit ausgesprochen leckerem Kuchenangebot.

Das „Denkmal an Kaffee“ Café

An den Wochenenden öffnet die Familie Baur ihr Café. Drei Tische im ehemaligen Büro des Kaplans und ein großer Tisch im blauen Salon – Ja, es ist fast schon winzig. Im Sommer lädt noch eine Terasse zum „Sitzen über dem Zentrum von Gestratz“ ein.

Angela ist die herzliche Seele des Cafés. Gut gelaunt und mit strahlenden Augen managt sie Ihr kleines Kaffee-Lokal. Die Kuchen werden selbst gebacken. Und hier muß ich mal sofort ein Loblied auf Angelas Kuchenbackkunst singen. (Wer mich kennt, weiß, daß ich bei Kuchen durchaus kritisch bin, aber auch gern mal zwei perfekte Stückchen geniese.) Die fünf bis sechs Kuchen, die es an den Wochenenden gibt – übrigens immer eine gelungene Auswahl – sind alle fantastisch. Wir haben es selber im blauen Salon getestet! Dabei sollte noch erwähnt werden, daß die Stückchen schon üppig sind. Aber es gilt: Wenn weg, dann eben weg.

Unterstützung im Service kommt von den Enkeln. Und auch Gebhard, der Chefrestaurator des Kaplanhauses. bemüht sich im servieren. (Wobei ich irgendwie den Eindruck habe, handwerken ist mehr sein Ding ;-))

Das alte Kaplanhaus

Hoch trohnt es über der alten Käserei und der Argenhalle in Gestratz. Erbaut im Jahr 1795 wirkt das Kaplanhaus durch seine erhöhte Position noch etwas erhabener als es eigendlich sein dürfte. Denn der Kaplan ist ja sowas wie der Geselle vom Pfarrer, und insgesamt war das Allgäu ja eher ärmlich. Da finde ich es persönlich schon verwegen, daß der Kaplan über dem Pfarrer in solch einem Haus wohnte. Da stellen sich mir gleich zwei Fragen: Wollte der Kaplan näher dran- also oben – sein? Und warum benötigte so ein kleines verschlafenes Nest wie Gestratz, gleich so ein Aufgebot an Geistlichkeit?  …

Na lassen wir das, jedenfalls wurde das Haus bis 2012 von Lani Fink bewohnt. Lani war die langjährige Haushälterin des Kaplans in Gestratz und auch die Organistin im Ort. Das Haus wurde sehr in Ordnung gehalten, aber es wurde nie modernisiert. Welch ein Glück für Menschen mit einer Begeisterung für Vintage.  

 Familie Baur ihr Faible für erhaltenswerte Sachen

Und so kommen wir zu Angela und Gebhard Baur. Bei einem Spaziergang durchs Dorf, begeisterte sich Gebhard immer wieder für das hoch aufgeschossene Kaplanhaus. „Das Häuschen wäre eine Aufgabe für die Rente“, so seine Aussage. Seine Frau Angela war erstmal weniger begeistert, denn Gebhard steckt gerne seine freie Zeit und Energie in Projekte mit dem Prädikat „erhaltenswert“. Sein Gespür für schöne alte Dinge, setzte er schon mit seinem Engagement für das Heimathaus Gestratz – für alle sichtbar – um.

2012 wars dann soweit. Zwar ist da die Rente noch nicht sichtbar, aber die Gelegenheit günstig, und so konnte Familie Baur das Kaplanhaus von Lani erwerben und vorsichtig und mit Liebe zum Details restaurieren. Angelas Befürchtung bestätigte sich schlagartig, aber schon bald war auch sie Feuer und Flamme. Ergab sich doch so eine Chance für Ihren Traum: ein eigenes kleines Café. 

 Die Restauration

Ein altes denkmalgeschütztes Haus renovieren, hier könnte ich ein Buch schreiben. Aber es ist viel unterhaltsamer, wenn Du das „Denkmal an Kaffee“ Café besuchst und direkt bei Gebhard Baur nachfrägst. Wie immer, wenn jemand etwas wundervolles mit eigenen Händen erschaffen hat, bekommt man auf höfliches Nachfragen garantiert viele emotionale und informative Geschichten erzählt.

Nur soviel:

Erst wurde mal grundsaniert: Strom, Wasser, Abwasser. Die Außenanlage, die Terasse, die Garage ….

Die Farbgebung: originalgetreu! Die alten Türstöcke, Türen und Fenster aufgemöbelt, die Böden nur abgeschliffen. Wo weitere Modernisierung nötig war, haben die Baurs diese behutsam und mit Geschmack integriert. Oftmals an ihrer körperlichen Belastungsgrenze, aber immer mit Begeisterung für dieses schöne Häuschen.

Das Ergebnis: Chapeau!

 

Was war ein Kaplan nochmals genau?

Ich geb es zu: Obwohl katholisch, war mir nicht klar, was ein Kaplan ist. Also erstmal schickte ja jede gute Bauersfamilie mindestens einen Sohn zur Kirche. Das erklärt, weshalb früher so viel Geistlichkeit unterwegs. Es erklärt aber auch, warum es mit der Geistlichkeit nicht so weit her war, oder besser ist. Es fehlt oft schlicht die Berufung.

Aber jetzt – für alle Laien oder Evangelen oder Religionsunterrichtvergesser – zur katholischen Hirachie:

Diakon: Vorstufe zum Priester. Darf taufen und begraben, aber keine Messe halten

Vikar: Priester oder Helfer, der den Pfarrer unterstützt

Kaplan: Priester , der dem Pfarrer hilft

Pfarrer: Priester, der eine Pfarre (Pfarrei) leitet

Monsignore: Ehrentitel, der vom Papst an Priester und Laien vergeben wird (Monsignore Don Camillo 🙂

Genug von Machtstrukturen erzählt:

 

Jetzt, Denkmal an Kaffee!

Adresse Café:
Sennereiweg 5
88167 Gestratz

mobil 0160-96031222 

 

E-Bike Ladestation

Durch das herrlich hügelige Westallgäu zu radeln macht mit dem E-Bike noch mehr Spaß. Das „Denkmal an Kaffee“-Café ist ein lohnendes Ausflugsziel und bietet sich für eine Rast an. Direkt am Marktplatz, unterhalb der Sonnenterasse findest Du eine E-Bike Ladestation. Wie praktisch!

 

 

Quintessenz

Ein Schmuckstück
zum wohlfühlen und geniesen. 

 

Das Café im alten Kaplanhaus

ist einfach ein „himmlisches Stück Allgäu“.

 

                                                                           Herzlichst, Deine Ulli