Griaß di, Servus & MoinMoin,

ich schreib sehr gerne über das wunderbare Allgäu. Seine Menschen, seine großartigen Produkte, traditionelles Handwerk, pfiffige Ideen und die herrliche Region im allgemeinen. ABER: In meinem Allgäu ist halt auch nicht alles so ganz rosig. Das Allgäu boomt als Wirtschafts- & Tourismusregion, und das heißt leider auch: Ausverkauf des Allgäus. Versiegelung der Landschaft, Zerstörung von Natur-Flächen und damit Vernichtung unseres größten Kapitals.

Aber warum geht´s genau?

Interkommunales Gewerbegebiet der Argental-Gemeinden

Jetzt hat ja jeder dazu so seine eigene Meinung. Daß Betriebe Platz benötigen, das ist klar. Daß dazu auch Flächen versiegelt werden, auch. Und daß unser Allgäu brummt, wie ein Bienenstock liegt an der gesunden Mischung von Tourismus und Gewerbe.

Aber daß dies auch so bleibt, dafür muß unsere Natur geschützt werden, denn die vielen Erholungssuchenden – die ein immensen Wirtschaftszweig darstellen – kommen nicht wegen blühenden Gewerbeparks, sondern weil bei uns im Allgäu, die Welt noch ein klein bisschen mehr in Ordnung ist. Weil unsere unvergleichliche Natur, die Landschaft, die Allgäuer überzeugen. Weil wir die betonlastigen 60er, 70er und 80er Jahre im Allgäu schlichtweg verschlafen haben. (Von ein paar Sparkassen-Häusern abgesehen)

Der prominenteste Radweg, der Tobel & die Idylle wo bald Beton und LKW-Verkehr vorherrscht.

Der prominenteste Radweg, der Tobel & die Idylle wo bald Beton und LKW-Verkehr vorherrscht.

7 Hektar Versiegelung beim interkommunalen Gewerbegebiet Argental - mitten in der Landschaft

7 Hektar Versiegelung beim interkommunalen Gewerbegebiet Argental – mitten in der Landschaft

 

Gegen dieses Gewerbegebiet spricht:

  • eine verherende Verkehrsanbindung ( eine Straße durch zwei enge Dörfer, direkt an Kindergarten und Schule vorbei)
  • ständige Hochwassergefahr für die unterliegenden Häuser, weil der Boden nicht soviel Wasser speichern kann
  • kein Bedarf an Gewerbeflächen in der Region (es stehen noch einzelne Gewerbeflächen in den Argentalgemeinden zur Verfügung)
  • landschaftliches Vorhaltegebiet (ist die Vorstufe zum Landschaftsschutzgebiet)
  • Stark frequentierte Freizeit-Rad-Straße: Königsee-Bodensee-Radweg; Allgäuer Käsestraße

Ja, und wenn jetzt jemand denkt, die Gemeinderäte wissen schon, was sie tun, der irrt. Die Idee “Interkommunales Gewerbegebiet” wurde ruckzuck in einen Zweckverband umgewandelt, und kann somit von den Gemeinderäten nicht mehr beeinflußt werden.

 

Ausverkauf Allgäu

Hier zitier ich Ulli Klose von “WIGWAM naturreisen & expeditionen” – einem ganz besonderen Reiseveranstalter im Allgäu (Post kommt noch).

Nahezu alle Planungen, die man heute macht, richten sich zu sehr nach der Argumentation, dass man „moderner“ werden muss und den „Anforderungen der Zeit“ gerecht werden muss. So opfert man für den Bau der neuen B19 die schönsten Uferwälder der Iller, macht aus dem Gebiet um die Burg Immenstadt ein Industriegelände und die Iller zu einem Kanal. Man plaziert an jeder möglichen (und unmöglichen) Ecke der Landschaft neue Gewerbegebiete  und vergibt sogar Baugenehmigungen in Landschaftsschutzgebieten!

Das Alles zerstört das Allgäu auf unwiederbringliche Weise!

Da ist fast alles gesagt! Nur noch: Die Argumentation der  Zubetonierung mit “mehr Arbeitsplätzen” hinkt und stinkt gewaltig. Denn wir haben im Allgäu zu wenig Fachkräfte und Arbeitnehmer. Die Betriebe suchen heute schon händeringend das richtige Personal. Headhunter, die Angestellte abwerben, sind allgegenwärtig. Und der demographische Wandel hat dabei noch gar nicht – mit voller Wucht – die Betriebe erreicht.

Eine lebenswerte Region für junge Familien & Senioren – das ist doch die Herausforderung für die Zukunft.

 

Horst Seehofer & die Demo im Argental

Gestratz …. NEIN …., die Bürgermeister von Gestratz und Grünenbach sind die Treiber in Sachen Interkommunales Gewerbegebiet Argental. Nun will es der Zufall, daßHorst Seehofer – unser Landespapa – Gestratz besucht. Er kommt, um verdiente Bürger aus dem Landkreis zu ehren, das Problem mit dem Gewerbegebiet mitten in der Landschaft kennt er wahrscheinlich gar nicht.  Aber egal. Er kommt, und er zieht die Aufmerksamkeit in diesen kleinen, beschaulichen Allgäuer Ort.

Bund Naturschutz und die Redaktion von “quer”

Die Gelegenheit für den Bund Naturschutz zu einer Demonstration aufzurufen. Es kamen  immerhin an die 80 Gegner mit Kuhglocken und Plakaten. Und obwohl die ganze Aktion mehr als kurzfristig angesagt wurde, konnte auch noch die Redaktion der bayrischen Sendung “quer” gewonnen werden. “Sehen was quer läuft” – so der Titel der Sendung vom BR mit Christoph Süß.

Ordentlich Plakate bei der Demo gegen das interkommunale Gewerbegebiet

Ordentlich Plakate bei der Demo gegen das interkommunale Gewerbegebiet

Ministerpräsident Seehofer – wirklich ein Souverän

Also da laß ich nichts auf ihn kommen! Der Horst hat die Situation gekonnt gemeistert. Raus aus seinem Auto und sofort hin zu den Demonstranten. Lag es an dem Kamera-Team von “quer”? Vielleicht. Der Auftritt hatte eine gewisse Situationskomik. Auf der einen Seite das perfekt inszenierte Dorf-Leben mit den aktiven Musikanten, den Alphornbläsern und der Feuerwehr. Auf der anderen Seite die Dorfbewohner mit Plakaten und Kuhglocken.

Aber: Wir sind ja ein Dorf, und so wechselte das Programm hin und her: Zuerst die Protest-Glocken-Pfeifen-Ouvertüre, dann das Interview von der Redaktion “quer” mit Seehofer & Landrat, anschließend brachte die Musikkapele Gestratz ein Ständchen, dann ein Umweltlied der Demonstranten, und zum Schluß die Alphornbläser … JA, wir sind eine große Familie.

Horst Seehofer pendelte hin und her, und ich muß sagen: Hat er gut gemacht! :-). Warum pendelte der Bürgermeister eigendlich nicht mit? Die vielen Polizisten waren innerlich bestimmt begeistert von soviel Harmonie bei einer Demo. Wir sind auf dem Land, und das ist schön!

Ministerpräsident Horst Seehofer im Gespräch mit demonstrierenden Bürgern

Ministerpräsident Horst Seehofer im Gespräch mit demonstrierenden Bürgern

Horst Seehofer im Gespräch mit Hr. Jörg vom Bund Naturschutz & dem Landrat

Horst Seehofer im Gespräch mit Hr. Jörg vom Bund Naturschutz & dem Landrat

 

Und als dann die Honorationen in der Argenhalle der Ehrung entgegen schritten, packte das “Volk” die Plakate zusammen – für viele war das die erste Demonstration in ihrem Leben – und spazierte nach Hause. Flagge gezeigt, schön wars!

Das bayr. Staatsministerium schreibt auf der offiziellen Homepage über …

… Nachhaltigkeit in Kommunen:

Na das ist doch ein Lösungsansatz!

Der Vollständigkeit will ich noch erwähnen: Vom Gewerbegebiet abgesehen, ist unser Bürgermeister ein ganz ordentlich guter Bürgermeister. Wie er das mit der Flüchtlingsaufnahme gewuppt hat, war erste Sahne! Aber die vehemente Realisierung des interkommunalen Gewerbegebietes hat das Dorf gespalten. Und das ist gar nicht gut!

zur Info:

Das bayr. Anbindegebot hat nichts mit bayrischen Kuhställen zu tun,
obwohl ich das mit den Rindviechern nicht so genau weiß.

Quintessenz:

Das bayr. Anbindegebot schützte die Natur vor Zersiedelung & Ausverkauf!
Jeder Gewerbegebiet muß an einen Ort angeschlossen sein.

Warum ein “Heimat”-Minister, der dies rückgängig machen will,
sich weiterhin “Heimat”-Minister nennt, ist mir unerklärlich:
“Ausverkaufsminister” wäre der bessere Titel!

Demokratie lebt auch vom “Flagge zeigen”!
Auf unsere Heimat! Eure Ulli

Link:

Argentalgemeinden Röthenbach, Maierhöfen, Grünenbach, Gestratz,

Bund Naturschutz, Kreisgruppe Lindau ; Zwei Bilder sind von Thomas Frey / Bund Naturschutz

Bayrischer Rundfunk “quer”, Sendung läuft am Donnerstag um 20.15 bis 21 Uhr im Bayrischen Fernsehen

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