Weihnachten: eine Mundart-Geschichte vom Illerschorsch


22. Dezember 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Krimi, Roman & SachBuch,Made im Allgäu - Garantiert!


Weihnachtsgruß aus dem Allgäu

Griaß di, Servus und MoinMoin

in der Woche vor Weihnachten ist die Hektik schon besonders groß. Jeder flitzt noch in die Stadt, zum einkaufen, zum vorbereiten. In den Büros geht´s  rund, jeder will noch schnell vorher dies und das … Und am Ende stürzen wir uns – wie jedes Jahr – völlig abgekämpft in die besinnliche Weihnacht und wundern uns, daß das runterfahren, der Genuß, die besondere Stimmung von Weihnachten nur sehr zäh wahrnehmbar ist.

Darum mein Wunsch für Euch und jetzt sofort: Nehmt Euch Zeit. Für einen Ratsch mit der Nachbarin, für einen Spaziergang für ein Treffen mit Freunden, für ein gemütliches Päckchen-Einpack-Event oder zum lesen.

Kennt Ihr den Illerschorsch?

Der Illerschorsch heißt Georg Albrecht und er sammelt seit 2004 online besondere Dinge aus dem Allgäu. Orte, Bücher, Lieder und Ausflüge …. Er betreibt seine persönliche Heimatpage. Die Seite ist nicht mehr so ganz modern, aber dafür inhaltlich voller schöner Dinge. Und er schreibt in Mundart, was ihm gerade so einfällt. Ich mag seine Geschichten, vorallem die Serie vom gschpäßiga Schorsch.

Und wenn Du jetzt wissen willst, weshalb seine Hennen Anfang Dezember schon Plätzchen bekommen und der Schorsch am Festtag nur Erbsensuppe mit Bier, dann lest es selber.

 

De gschpässig Schorsch – Weihnachtsbrauch

Wer kennt se it, die ritualartige Weihnachtsbräuche, die sich bei viele Leit so im Laufe der Zeit eischleichet? So unterschiedle, wie d Leit sind, so unterschiedle gohts dann au mit de Bräuch naus.

Beim Schorsch hot sich ins Weihnachtsfescht au die oi oder ander Gwohnhoit eigschliche. De escht Brauch isch beim Schorsch, daß d Henna Anfang Dezember scho ihr Weihnachts-Feschteasse krieget, ond de zwoit Brauch isch der, daß es beim Schorsch an de Feierdäg allat a Erbsesuppe mit Bier geit, suscht nix.

Wie des zu deam Weihnachts-Brauchtum beim Schorsch komme isch, verzell i iatz gschwind: Afang Dezember, wenn d Däg so kuz wie a Biebelesschnabl ond d Nächt so lang wie Bschüttrohr sind, do fuiret de Schorsch in seinar alte Baurekuche de Ofe ei, grad so, wie s d Großmuetter friehner broits allat dau hot. Ar hett scho au a moderne Ölheizung, so wärs it, aber die schaltet ar kaum mole a. De Schorsch will halt, daß a Fuier im Ofe brennt, a paar Holzscheit knischtret ond knacket ond daß d Wärme schie vo deam Eck in dr Kuche aus, auf de ganz Raum, samt dr Stube neabedet, ausbroitet wiad. Des isch halt no a reachte Wärme, sait ar allat. Ar isch au praktisch, der Kucheofe, ma hot allat glei vom Schiffle a hoiß Wasser ond s nasse Häs ka ma guet auf de Stanga über m Ofe drickne.

Zudeam hot de Ofe sogar a Backrohr, in deam scho d Großmutter ond d Mutter vom Schorsch allat ihr wunderbar schwers ond frisches Baurebrot bache hand. Do denkt ar immer wieder mole dra, es isch m allat so, als ob ar dean würzige Duft no in dr Näs schmecke kinnt. Die Zeita sind aber scho lang vorbei, an d Brotbacherei hot sich de Schorsch nie natraut, des holet ar halt vom Beck, seit d Mutter gschtorbe isch.

Aber Afang Dezember, gnauer gsait, am zwoite Dezember, am Bibianas-Dag, also an Großmutters Namesdag, do bachet de Schorsch seine Loiblaa für Weihnächte, des hot sich bei eam so eibürgret.

A paar Däg vorher feht ar mit seim alte Eicher in de Fleacke na, an Eikaufskrette hinda auf dr Bruck ond hollet alles, was ar zum Loiblesbache braucht. Ar machet jeds Johr an die fünf Bleacher, jedsmole die gleiche Sorta, drum nimmt ar au jeds Johr de gleich Eikaufszeattel mit.

Am zwoite Dezember holet ar dann s alte Kochbuch vo dr Großmutter, des mit dr altdeutsche Schrift, aus m Kuchekaschte ond richtet suscht alls her, was ar zum Bache braucht. In de Radio kut a Werner-Specht-CD nei, wo suscht auf oft Bayern 1 dinn isch, de Ofe wiad gherig eigfuiret, ond wenns Dussa dann grad no reacht kähl schneit ond stiebt, dann isch die Loiblesbachar-Zeit am allerschienschte.

So goht de Schorsch jeds Johr mit beschtr Laune ond beschwingt vo dr Musik ans Werk. Es wiad grührt ond kneatet, ausgschtoche, gschmolze, belegt, zämetbappet, gnudlet, ausgwalet, au gschleacket ond probiert, daß es an do hot. Zfriede pfeift de Schorsch drbei mit m Werner Specht um d wette. Dann nei mit de Bleacher in de Ofe, a paar Minuta ausgruebet, dann gohts glei weiter, ma muess ja s oi oder ander glei meh herrichte, wenn d Bleacher fetig sind. Gschwind no a paar Äschtla im Ofe nochelege, drimt d Hitz it ausgoht.

Dann, jo ond dann klinglet jeds Johr um die Zeit s Telefo ond d Tante Senz aus Obermaiselstoi rueft a, um de Schorsch dra zum gmahne, daß heit frei dr Bibianas-Dag wär, ond ob ar au s Grab vo dr Großmutter pfleaget hett ond überaupt, ob ar no zwischbedur an die selig Großmuetter denke dät. Dann verzellt se no, des alls wie jeds Johr, wie schleacht s ihr doch gau dät, daß d Fieß numma so mitmachet ond de Brose, ihr Ma ihr halt so wenig helfe dät, bei der viele Hausarbat. Grad jatz, wo se doch Loibla bache müsst, ond suscht dann zu gar nix meh käm, do dinnt ar doch a bitzle meh mithelfe, der alt Wiatschaftshockar, der alt.

Dann verzellt se no, was seit m letschte Telefonat im Sommer so alls los gweah isch, wer in Obermaiselstoi meh als gschtorbe isch, wele Kind glücklich oder oglücklich auf d Wealt komme sind, wer gheiret hot ond wer sich schoide lau hot. Au die wichtigschte Krankhoita wearet no kuz beschproche ond dann muss de Schorsch die gleiche Informationa vo Altusried an d Tante Senz weitergeabe, vorher geit die koi Rueh.

Geduldig loset sich de Schorsch alls a, ar woiß ja, daß ar bis in zwoi Däg des ganze Gschwätz meh vergeasse hot. ann berichtet ar au gehorsam alls, was d Tante wisse will. Se wünschet sich no schene Weihnächte, well vorher hot se koi Zeit meh zum arufe ond a guets nuis Johr drzue, wenn ma ja scho grad am telefoniere isch.

Wie jeds Johr zieht sich des Gespräch odele in d Länge ond wie jeds Johr sieht de Schorsch dann grad vom Hausgang aus (well in de Baurehöf isch s Telefon immer im kalte Hausgang, worum, des woiß i it, vielleicht um Telefonkoschte zum spare), wie Rauchwolka vo dr Kuchetür, die an spaltweit offe isch, rausziehnet.

Wie jeds Johr springt ar dann in d Kuche nei, reisst die schwaze Loibla ausm Ofe raus, loht se abkiehle ond drait se drnoch zum Hennestall num. Wie jeds Johr fraiet sich d Henna scho auf ihr frühzeitiges Weihnachts-Feschteasse ond leget drfür s oi oder s ander Oi meh.

Hühner im Schnee

Sind Hühner im Schnee jetzt eigendlich Schneehühner?

 

So, iatz wisset ihr, wie des jeds Johr so ablauft, beim Schorsch. Ar hot sich scho dra gwehnt, ar regt sich gar numma auf, ar hot allat no a Freid am Bache ond daß an Weihnächte koine Loibla geit, des macht m scho lang nix meh aus.

Iatz miesset mer no dean zwoite Brauch, dean mit dr Erbsesuppe erkläre: Wie bei alle Leit, sind die Däg vor Heilig Obend saumäßg hektisch. S isch oifach so viel no zum do, drmit s a nettes Fescht weare ka: aufrumme, putze, Weihnachts-Sacha herrichte, Krippe aufstelle, Gschenkla einpacke oder gar no oi eikaufe; oder no verzweiflet sinniere, was ma denn überhaupt schenke kinnt, ond dann direkt vor Heilig Obend, s Eikaufe für d Feschtdäg.

Beim Schorsch isches so, daß ar außer zwoi Kaschte Feschtbier ond zehe Dosa Erbsesuppe nix im Haus hot. Des isch sei Not-Vorrat, der allat do isch, de Rescht bsorgt ar sich halt so, wien ar s braucht. Well ar in seim Höfle eabe alloi hauset, braucht ar it so viel, daß sich größre Vorrät suscht rentiere dätet.

Allgäuer Hof - abgelegen in der Natur

Idyllisch un abgelegen – so könnt der Schorsch wohnen …

 

Am Heilig Obend nimmt ar dann, wie jeds Johr, sein Krette ond feht mit m Eicher in Fleacke na zum Eikaufe. S Weatter spielt koi Rolle, mit sei m alte Oizylindar kut ar allat no dur. Netter wärs natürle, wenn ar a Dach auf m Bulldog druff hett, aber drfier hot ar halt a gherige Pelzkappe auf ond dicke Händsche a.

So um Zehne rum kut ar im Fleacke a, stellt sein Eicher am Rothaus, glei vor dr Sonne a ond goht zescht amole in d Sonne nei zum Aufwärme. Do trifft ar dann allat de Kare, der scho auf n watet, well s jeds Johr genauso ablauft.

Noch oir Halbe bricht de Schorsch dann meh auf ond schlorpet mit sei m Krette zum Feneberg num. A kleins Stückle isch ar no neikomme, in de Lade, glei noch m Gmies dana hot s aber broits gschoppet. Well ar dann die lange Schlanga an dr Kasse no gseah hot ond die gnervte Leit übrall rum, do isch ar hinderse meh naus. Was soll ar iatz denn do ? Bei deam Gedränge grauset s m derart zum Eikaufe, do woiß ar glei gar numma, was ar denn als braucht. Do vergoht m die eh scho kaum vorhandene Luscht auf d Feschtdäg. Es isch ihm dann – wie jeds Johr – , do isch ar überzeugt, nix übrig bliebe, als meh zruck in d Sonne zum gau. Glücklicherweise hot do de Kare no auf n gwatet – so wie jeds Johr – ond natürle scho drmit greachnet, daß de Schorsch vom Fene bald meh zruck sei wiad.

Well die oine Leit eabe alle beim Eikaufe waret, wars in dr Sonne gmietlich ond reacht riebig. D Wiatin, d Lizzy, isch no zue na naghocket ond se hand grad an gherige Hoigate ghet. Oi Halbe noch dr ander hand se braucht, bis in Namittag nei.

Drnoch isch de Schorsch so gege Fünfe dann mit am leere Krette ond am Räuschle hoiweats gfahre, so wie jeds Johr. Zescht amole hot ar a Schläfle mache miesse, dann isch m s komme, daß ar meh amole über d Feschtdäg nix eikauft hot.

Ond so hot s beim Schorsch au huier meh über Weihnächte blos Erbsesuppe mit Bier gea. Mei, wie ma s halt gwehnt isch….

 

Quintessenz:

Zum Lesen in Mundart brauchts schon ein wenig Übung,
dann aber ist man sofort in einer anderen Welt:
Daheim auf dem Dorf eben.

Mit Ruhe kommt Weihnachten genauso gewiß,
wie mit Hektik.

Ich wünsche Dir ein wundervolles Weihnachtsfest –

friedvoll & fröhlich.

Viel Zeit für schöne Gespräche mit Familie und Freunden,

und viel Genuß bei all den süßen & herzhaften Leckereien.

 

                                                                       Deine Ulli

 

Link: Illerschorsch

 

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Ulrike Heerdegen
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Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
Ulrike Heerdegen
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