Räuchern: Zwischen den Jahren mit Rauch durchs Haus


29. Dezember 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Tradition, Brauchtum & Kult


Haus räuchern - ein lange Tradition im Allgäu

Griaß di, Servus & MoinMoin

gegen Ende der Rauhnächte, wenn Perchta oder Frau Holle  langsam müde wird, beginnt im Allgäu die Zeremonie des „Haus räucherns“. Wir tun das wirklich und es hat gar nichts mit Okkultismus oder wundergläubigen Hokuspokus zu tun. Wir AllgäuerInnen schmeißen dabei auch keine getrocknete Katzenpfoten bei Vollmond über die linke Schulter … also zumindest nicht im Dirndl … sondern wir nutzen seit Generationen die Kraft des Rauches zur Reinigung.

Räuchern für Sauberkeit und positive Energie ...

Räuchern für Sauberkeit und positive Energie …

 

Das „Haus räuchern“ oder „mit Rauch reinigen“ gibt es in fast allen Kulturen, seit Tausenden von Jahren und rund um den Erdball. Die tibetischen Räucherstäbchen zur Meditation, die Mayas mit ihren Räucher-Ritualen, die arabischen Könige mit ihrem Weihrauch und eben auch jede Allgäuer Oma: Rauch im Haus hilft viel. Die dicke Luft gehört raus aus der Hütte. Und wer die g´standen alten Frauen vom Land kennt, weiß, daß diese nun wirklich nicht in himmlischen Sphären gewandelt sind, sondern immer sehr bodenständig waren.

 

G´schtandene Oma´s und die Kräuterboschen

G´schtandene Oma´s und die Kräuterboschen

 

Räuchern im Allgäu

Gegen Ende der Rauhnächte kam die Oma – gerne hemdsärmelig und in Küchenschürze – mit Ihrem „Haus reinigen“ ganz groß raus. Nach der Zeit von „feiern und ruhen“, packte die alte Dame der Tatendrang …Ja, das Jahr muß positiv starten ….Und weil Weihrauch, Myrrhe und andere exotischen Harze und Pflanzen nicht greifbar waren, wurden die getrockneten heimischen Wundermaterialien aus Garten und Wald verkokelt. Auch der eventuell geweihte Kräuterboschen von Maria Himmelfahrt findet jetzt seine Verwendung. Aromatherapie annodazumal …

Der Rauch zieht in jede Ritze und vertreibt schlechte Gerüche. Macht Platz für Neues.

Und weil die Oma das so machte, räuchern auch heute noch sehr viele Menschen im Allgäu ihr Haus. Jedes Jahr, wenn der Schleier zum Totenreich langsam wieder dichter wird …, wenn wir uns für das neue Jahr Frieden, Fröhlichkeit, Gesundheit, Toleranz, Friedfertigkeit, Ehrlichkeit, Harmonie und positive Energie wünschen …. , ja dann geht es los mit dem Ritual.

Harz von Fichten und Tannen - das Gold der Bäume

Harz von Fichten und Tannen – das Gold der Bäume

 

Räuchern: Der Rauch im Haus

Warum räuchern wir?

  • aus Tradition und Glauben an die positive Wirkung
  • weil es gut riecht
  • für eine feinstoffliche Reinigung, Licht und positive Energie
  • weil es gute Laune und Spaß macht
  • weil wir uns so herrlich erdverbunden dabei vorkommen

 

 Getrocknete heimische Kräuter & Harze zur Reinigung

Geräuchert werden vorallem Sonnenpflanzen! Alles was im Licht wächst, denn jetzt in der dunklen Jahreszeit, soll das Räuchern Helligkeit und Energie bringen. Keine Wurzeln.

  • Gartensalbei (Reinigung & Gesundheit)
  • Engelswurz (Mut, Zuversicht, Stärke …)
  • Johanniskraut (Ausgeglichenheit, Ruhe, Stärke)
  • Wachholder (Lebensfreude, Dynamic, Kraft)
  • Holderblüten und Holderbeeren (Frische, Reinheit, Klarheit)
  • Rosmarin (Ausgeglichenheit, Kraft)
  • Orangenschalen (Frische, Reinheit, …)
  • Fichten- oder Kieferharz (Ruhe, Zufriedenheit)
  • Königskerze (Streitschlichter)

 

Räucher Material: Salbei, Orangen, Rosenblätter, Fichtenharz ....

Räucher Material: Salbei, Orangen, Rosenblätter, Fichtenharz ….

 

Zubehör zum Haus räuchern

  • feuerfeste Schale mit Sand oder kleinen Kieseln gefüllt
  • glühende Holzkohle oder Räucherkohle
  • heimisches Räuchergut
  • etwas Zeit & Ruhe

     Wie geht das „Haus räuchern“ traditionell?

     

    Ein oder zwei Fenster ganz leicht öffnen, alle anderen verschlossen halten. Alle Elektrogeräte ausschalten, auch elektrisches Licht.

    1. Glühende Kohle in die Schale und die Kräuter und Harze darauflegen.
    2. Die guten Geister, Engel, Vorfahren oder sonstiges darum bitten, das Haus zu reinigen.
    3. Nun beginnend von der Haustüre gegen den Uhrzeigersinn jedes Zimmer ablaufen und den Rauch zu dem offenen Fenster hin wedeln.
    4. Wenn alle Räume begangen wurden, die Fenster schließen,
    5. Über positive Eigenschaften  nachdenken (Mut, Friede, Fröhlichkeit, Energie, Tatendrang, Freundschaft, Liebe … ) und nochmals jeden Raum – diesmal im Uhrzeigersinn ablaufen. Den Rauch dabei zur Raummitte wedeln …
    6. Den guten Geistern, Engeln, Vorfahren oder sonstigem für die Mithilfe danken.

     

    Traditionell räuchern heißt: Einige Regeln beachten! Geht aber auch anders :-)

    Traditionell räuchern heißt: Einige Regeln beachten! Geht aber auch anders 🙂

    Was kann man beim „räuchern“ falsch machen?

    Eigendlich nichts. Vorsichtig ausgedrückt: Der Wille zählt, und Übung macht den Meister, der selten vom Himmel fällt. Also ran an den Räuchertopf, und vorsicht mit dem Finger verbrennen.

      Und die Oma?

      Ja bei mir war es nicht die Oma, sondern eine weit entfernte Tante, die eifrig ihr geheimnisvolles Ritual des „Haus reinigens“ in der Verwandschaft vollzog. Geld gebs dafür nicht, wohl eher nen Kaffee und Schmalzgebackenes.

      Quintessenz:

      Allgäuerinnen schmeißen keine toten Tierteile bei Vollmond,
      Räuchern ist World Wide,
      und mit Freundinnen macht´s doppelt Spaß.

                                                                                                     Eure Ulli 

      Räuchern: Reinigung für Gemäuer und Seele

      Bücher-Tipp:

      (Klick auf das Bild und Du kommst direkt zum Shop)

      Diese drei Bücher zum Haus räuchern und über Rituale der Rauhnächte empfinde ich als relativ gelungen. Relativ, weil das Okkulte nicht so in Vordergrund tritt, sondern eher  die praktische Herangehensweise. Bodenständig eben!

       

                          

       

      Räucher-Set zum ersten anfangen …

      (Klick auf das Bild und Du kommst direkt zum Shop)

                                  

       

      Link Tipp:

      Eine schöne Rauhnachts-Räucher-Mischung und mit heimischen Harzen räuchern von der Frau Birkenbaum

      .

       

      Merken

      Merken

      Merken

      Merken

      Merken

      Merken

      Ulrike Heerdegen
      vernetzt ...

      Ulrike Heerdegen

      Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

      Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
      Ulrike Heerdegen
      vernetzt ...
      Kommentare
      1. Talania - Räucherwerk said on 10. Oktober 2017 16:55:

        Sehr schöner Bericht! Interessant wie das Räuchern von Region zu Region anders gehandhabt wird! Viele Grüße aus dem Norden!