Schnell nauf #2: Die Königsalpe – ein Platz an der Sonne


11. Januar 2017 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Ausflugsziele in Stadt & Land,Essen, Trinken & Kulinarik


Königsalpe: Beliebtes Ausflugsziel im Allgäu

Griaß di, Servus & MoinMoin,

neben den traumhaft schönen Alpen in den Allgäuer Bergen, finden sich auch immer wieder Kleinode in der Allgäuer Hügellandschaft. Ohne zu große Kraftanstrengung und mit festem Schuhwerk problemlos zu erreichen. Bewirtschaftete Alpen, wo ich schnell nauf laufen kann, echtes Hüttenfeeling erlebe und in die Berge schaue. Schwuupps wird so aus zwei, drei Stunden, ein gefühlter Kurzurlaub. Die Königsalpe bei Stiefenhofen, oberhalb dem Kroamer in Ebratshofen und dem Eistobel gehört deshalb eindeutig in die Kategorie „Schnell nauf“.

Die Königsalpe – ein Platz an der Sonne

 

Wunderbar im wilden Westallgäu gelegen, sieht man von der Königsalpe eigendlich immer die Sonne, wenn sie denn am Himmel hängt. Den ganzen Tag über laden die Bänke an der Hauswand zum Sonne genießen ein. Ok, zwischendurch ist eine Ast dieser großartigen alten Bäume im Weg, aber da rutsch ich dann 30cm näher an den Nachbarn, und schon ist die Beleuchtung wieder in Ordnung.

Sonnenbaden an der Holzwand der Königsalpe im Allgäu

Gemütliches Sonnenbad an der warmen Holzwand

Beliebtes Ausflugsziel

Mit dem Fahrrad, dem Bike oder zu Fuß, ob über geteerte Straßen, eine Feldweg oder Wanderweg – die Königsalpe ist von allen Seiten aus erreichbar.  Die Fußlahmen dürfen sogar auf einem Maut-Sträßchen bis vor die Hütte fahren. Kein Wunder, daß sie bei Einheimischen und Urlaubern gleich beliebt ist.

 

Auf der Mautstraße entlang zur Einkehr Königsalpe

Auf der Mautstraße entlang zur Einkehr Königsalpe

Wanderweg zur Königsalpe

Auch zu Fuß wandert es sich prächtig zur Alm

 

Wegweiser: Königsalpe, nächste Hütte

… noch ein Stück mußt Du laufen …

 

 

Für eine so bescheidene Hütte ist ziemlich viel aufgestuhlt, aber an so ganz besonderen Tagen – wie zwischen Weihnachten und Neujahr – kommen natürlich auch viele Spaziergänger und Wanderer an der Königsalpe vorbei. Dann rücken die Gäste zusammen, und kommen schneller ins Gespräch: Egal ob sehr elegant und bombastisch aus dem nahe gelegenen Oberstaufen, oder im Radl-Häs, in Bergschuh oder mit rotznasigen Kindern.

Sehr geschmackvoll die Dekoration. Ob an der Hauswand, auf den Tischen oder in der Stube: viel Heimatg´fühl, Uriges und Gegenstände aus vergangenen Almtagen schmücken die Königsalpe. Gemütlichkeit wohin ich schau. Und am Brunnen lätschen die Kinder bis über die Ohren – zur Freude der Eltern – mit Quellwasser rum.

 

Hirschgeweih als Deko auf der Königsalpe

Der Hirsch läuft nicht mehr …. er dekoriert die Hauswand

 

Bewirtschaftet mit Speis & Trank

Wandern oder Radfahren, da ist eine bewirtschaftete Alpe immer ein Ausflugsziel. Hungrige und durstige Wandersleut werden mit regionalen Produkten verwöhnt. Es gibt die „Richtlinien des Allgäuer Alpgenusses“ – was es alles gibt, tzzz – und genau nach diesen, werden die Gäste bewirtet.

Für eine Alpe gibt es eine beeindruckende Anzahl von selbstgebackenen Kuchen. Meine Eierlikör-Torte war ohne Mehl und geschmacklich ohne Zucker. Sehr interessant. Ob das so gewollt war? Meine Nachbarin fands jedenfalls fantastisch … Einen Tisch weiter hörte ich begeistertes Lob für den Zwetschgenkuchen. Gegenüber sah der Käsekuchen zum reinbeißen aus. Inwieweit der Ananas-Bienenstich regional ist, ….

Herrlich find ich die Idee, die Kuchenauswahl auf Blechherzen zu schreiben.

Eierlikörtorte auf der Königsalpe

Selbergemachter Eierlikör – vielleicht hätte ich auf den Boden verzichten sollen.

Kuchen - Speisekarte auf Blechherzen

Und wenn der Kuchen alle, wird das Herz abgehängt …

 

Herzhaftes gibt´s auch. Vom Eintopf über Brotzeit bis zu den Kässpatzen ist die Auswahl für eine Almhütte schon wieder recht beachtlich. Ich merke daran, daß die Königsalpe gut erreichbar ist und eben nicht so weit weg vom Schuß liegt.

 

Bewirtschaftet mit Jungvieh

Also der Onkel meines Allerliebsten, der brachte schon vor 50 Jahren sein Jungvieh auf die Königsalpe. Die Bauern aus der Region lagerten ihre Schumpen gerne auf den Berg aus, damit zuhause die Wiese für die Milchkühe ausreicht. Naja, ein klein wenig vielleicht auch, damit die Halbwüchsigen mal was anderes erleben. Mit dem Viehscheid kamen die Kühe wieder zurück. Auf der Königsalpe werden auch heute noch cirka 100 Schumpen über den Sommer betreut.

Glocken für den Almabtrieb im Schankraum der Königsalpe

Glocken für den Almabtrieb …

 

Alp-Besamung

Das muß ich jetzt schon noch erwähnen: Als die Besamung mit dem Ersatz-Stier in Mode kam, erklärte sich das Oberallgäu zur „besamungsfreien Zone“. Ja wir hier auf dem Land liebten es eben natürlich. Den Stier auf die Weide und eine Schar Mädels dazu, das war Wiesenglück. Und jeden Stier wollte man auch nicht als Rinderbraten auf dem Teller. Mal davon abgesehen, daß wir den Kühen gerne ein wenig Vergnügen gönnten, weil´s auf der Alm, da gibt´s bekanntlich koi Sünd. Aber heute ist alles anders.

Ich zitier mal aus der Jubiläumszeitung der Allgäuer Herdebuchgesellschaft:

… der besondere Service der Besamungsstation, ist zum entscheidenden Argument für Alpbeschläger geworden. Er kann die im Frühjahr leer aufgetriebenen Rinder im Herbst, sicher tragend mit genauem Besamungsdatum, in Empfang nehmen.

Na da ist´s mit der Alm-Romantik auch nicht mehr weit her. Der Stier, ist heute der Besamungsbeauftragte. Und wer der Alpbeschläger ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Bei den Menschen geht´s auf der Königs-Alm aber noch natürlich zu. Und das wird auch gefördert.

Liebesbeweis schnitzen

Zum 100 jährigen Bestehen der Königsalpe wurde eine Holzbank aufgestellt, wo Verliebte sich verewigen dürfen. Die Jubiläumsbank aus einheimischen Fichten- und Tannenholz wartet auf eingeritzte Herzchen, Schwüre und Initialien. Etwas mehr Können, als bei den Liebesbeweis-Schlössern-Anbringern wird erwartet.

 

Königsalpe, …

… oder was der Name mit dem hl. Bonaventura und der Kapelle zu tun hat.

Der heilige Bonaventura war Italiener. Als schwerkrankes Kind wurde er von Franz von Assissi – das ist der, der mit den Tieren reden konnte – geheilt. Er studierte in Paris und begeisterte sich für das Armutsideal des Franziskanerordens.

Weil jetzt die Allgäuer neben Ihrer Begeisterung für keltische Bräuche (Bärbele, Klausen, Perchta & Rauhnächte, Räuchern) eine sehr enge Affinität zu armen Heiligen besitzt, werden Kinder sehr gerne nach ihnen benannt. Und so war lustigerweise Bonaventura ein ziemlich typisch allgäuerischer Vornamen.

Und so geschah es, daß auch die Bauersfamilie König Ihren Sohn Bonaventura nannte. Die Alpe der Familie hieß logischerweise Königsalpe. Und weil der kleine Bonaventura die Alpwirtschaft geliebt und gefördert hat, vermachte er nach seinem Tod 1916 die Königsalpe der Allgäuer Herdebuchgesellschaft zur weiteren Nutzung. Aus Dank dafür, ließ diese dann eine kleine Kapelle direkt neben der Alpe bauen. Die Kapelle des hl. Bonaventura zu Ehren des Bonaventura König. So war das.

 

Bauzeichnung von 1934 für die Kapelle des hl. Bonaventura auf der Königsalpe

Bauzeichnung von 1934 für die Kapelle des hl. Bonaventura

 

Hl. Bonaventura Kapelle bei der Königsalpe

Alter Karren vor der Kapelle zu Ehren des König Bonaventura …

 

Quintessenz:

Früher war´s für den Stier amüsanter,
heute gibts dafür einen Besamungstechniker. (Ist das ein Lehrberuf?)

Die Königsalpe ist zu Fuß und mit dem Fahrrad
immer ein lohnendes Ausflugsziel.

Eierlikörtorte mit Mehl und mehr Zucker fänd ich besser.

herzlichst, Deine Ulli

 

Noch ein paar Details zur Königsalpe:

Geöffnet hat sie im Sommer immer untertags, im Winter je nach Bedarf. Infos über die Öffnungszeiten gibts unter: Allgäuer Alpgenuss

Die Familie Keck – bewirtschafter der Alpe – bietet auch Pferdeausfahrten an. Haflinger Hof

Wer Interesse an Besamung hat, ist hier richtig: Besamungsstationen

 

 

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Ulrike Heerdegen
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Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
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