Kachelofen-Geschichte: Entstand der Grundofen am Alpenrand?


3. November 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Handwerk(s)-Kunst im Allgäu,Tradition, Brauchtum & Kult


Kachelofen-Bau & Grundofen im Allgaeu

Griaß di, Servus & MoinMoin,

was gibt es gemütlicheres, als das wärmende Feuer eines Kachelofens? Die Strahlungswärme aus einem Kachelofen wirkt ähnlich wohltuend, wie die natürliche Wärme der Sonne. Nicht umsonst erleben Kachelöfen eine Renaissance.

 

Gesunde, wohltuende Strahlungswärme aus dem Grundofen

Gesunde, wohltuende Strahlungswärme aus dem Grundofen

Entstand der Grundofen am Alpenrand ?!

Startet die Ofen-Geschichte womöglich sogar im Allgäu?

… das ist natürlich eine sehr gewagte Theorie, und läßt sich auch nicht beweisen, ABER:

Vor 4000 – 5000 Jahren lebten am Alpenrand die Indogermanen. Und archäologische Funde haben bewiesen, daß die alten Indogermanen am Alpenrand eben nicht nur ihr Brot in Steinöfen gebacken haben, sondern ihre Öfen auch in Hütten und Höhlen stellten.

Bei den klimatischen Bedingungen im Allgäu (ich laß mal den restlichen Alpenrand weg;-)) sagte die Indogermanische Mama wahrscheinlich:“ Seppi, mein Schatz, warum beheizen wir das Allgäu? Pack doch mal den Steinhaufen in die Hütte, dann wird uns muggele warm.“ Und weil die Mama schon erste schwäbische Hausfrauen-Gene entwickelt hat, mußte der Seppi gleich noch ein Loch ins Dach bohren, damit es nicht so raucht. Und Schwupp…. war das Prinzip des Kachelofens entdeckt.

Dazu kommt, daß in den Alpen ein Mineralstein „wächst“, der ein hohes spezifisches Gewicht besitzt und extrem hart und wiederstandsfähig ist. Das haben zwar die alten Indogermanen noch nicht gewußt, aber so 2000 – 3000 Jahre später wurde dies genutzt.

 

Dank Kachelofen entwickelte sich die gute Stube

So im 8. / 9. Jahrhundert startete eine richtige Inovationswelle in Sachen Kachelofenbau. Die ersten keramischen Wärmehalteplatten (Kacheln) wurden auf den Ofen zementiert, und der Ofen entwickelte sich zum Hinterlader. Das heißt: Geheizt wurde von der Küche, und der Rauch zog auch wieder über die Küche nach draußen ab. Von der Küche aus gab es neben dem Schürloch noch eine Kammer zum kochen und gare, und weiter oben eine Ofen-Kammer zum trocknen und dörren.

Der Kachelofen selbst, stand somit in einem rauchfreien Raum. Rund um den Kachelofen eine Stange zum Wäsche trocknen. Die „gute Stube“ war geboren, und bescherte den Menschen einen enormen Zugewinn an Wohnqualität.

In der „guten Stube“ sitzen zu dürfen, ist heute noch in manchen alten Bauersfamilien eine Auszeichnung. Sonntags und an Weihnachten, da wird sie benutzt. Diese Gewohnheit ist jedoch mittlererweile vom Aussterben bedroht.

In der Allgäuer Stube ist´s gemütlich und richtig schön warm!

In der guten Stube ist´s gemütlich und richtig schön warm!

Der Grundofen in alten Häusern im Allgäu

Nachdem es über Jahrhunderte nur eine Koch-Heiz-Quelle pro Haus gab, dividierte sich dies mit zunehmenden Wohlstand auseinander. Mutti bekam nen emailierten Koch-Herd in die Küche und der Heiz-Ofen wurde perfektioniert. Wer schon mal versucht hat, nur mit Holz die Hütte warm zu bekommen, der weiß: Es ist richtige Arbeit. Bei der Betreuung von zwei Öfen, bleibt nicht viel Zeit für anderes. Die Arbeitskraft der Frau, wäre an den Ofen gebunden.

Zeit sparen & Holz sparen

Die technische Herausforderung hieß deshalb damals, wie heute: Möglichst nur einmal am Tag schüren, und möglichst wenig Holz verbrauchen. Friedrich von Preußen startete Siebzehn-Hundert-wasweißich sogar einen Holzspar-Wettbewerb, weil in den Städten das Holz knapp und die Luft dick wurde. Und dann kam die Erfindung des nichtbrennenden Schornsteins …

Ein Form des Kachelofens: Der Grundofen

Im Alpenraum blieb der Kachelofen gern auch ein Grundofen: Die Feuerstätte liegt direkt auf Schamottsteinen, ohne Luftzufuhr von unten. Dies macht das Anheizen schwieriger, aber speichert sofort die Wärme in den Steinen. In dem Gewölbe des Ofens wird die maximale Heizleistung des Holzes genutzt. Der Grundofen ist deshalb sparsam. Die heißen Rauchgase werden durch ein ausgeklügeltes keramisches Zugsystem geführt, bis sie dann nahezu „ausgewrungen“ den Schornstein verlassen. Der Rauch heizt ein zweitesmal. Ja sparsam mußten die Menschen am Alpenrand schon immer sein.

 

Gewölbe eines Allgäuer Grundofens

Gewölbe eines Allgäuer Grundofens

Schürloch, Rauchzüge, Kochfach & Dörrfach ... die alte Luxusausstattung im Bauernofen.

Schürloch, Rauchzüge, Kochfach & Dörrfach … die alte Luxusausstattung im Bauernofen.

Die echten Kachelöfen kommen zurück

Nachdem „Luxus“ hieß, Zentralheizung andrehen und warm ist´s, eroberten in den 90ern zuerst die Holzöfen die Wohnzimmer. Das wohlige knistern des Feuers ließ wieder Behaglichkeit aufkommen, jedoch waren die Heizwerte unter aller Kanone, und das Holz verschand im Kamin.

Wer im Allgäu heute neu baut, der läßt sich wahrscheinlich einen Grundofen einbauen, weil:

  1. ein Grundofen angenehme Strahlungswärme erzeugt.
  2. das heizen mit Holz CO2 neutral ist.
  3. das Haus von der Mitte heraus geheizt wird.
  4. einmal am Tag angefeuert, er 24 Stunden gleichmäßige Wärme liefert.
  5. er die Asche bis zur Minimalmenge verbrennt.
  6. durch die hohe Abbrandtemperatur sich sehr gute Abgaswerte ohne zusätzlichen Filter ergeben
  7. er zum kochen, backen und dörren verwendet werden kann
  8. er allergikerfreundlich ist
  9. ein Grundofen Individualität ausdrückt und in jedem Design gut aussieht
  10. ein Grundofen ein langlebiges Heizsystem bietet.

 

Quintessenz:

Auch wenn die Beweise nicht vorliegen:
Die Wiege des Kachelofens ist das Allgäu!

Zumindest gehört der Kachelofen zum Allgäu,
wie das Amen in der Kirche.

Und die Indogermanen, das waren schon Käpsele!

Ich geh jetzt anschüren,

                  Eure Ulli

 

PS: Leider gibt es keinen Fachverband, oder Innung der Ofenbauer, so daß eine Übersicht über die Allgäuer Ofenbauer online nicht auffindbar ist. Aber wer die Suchmaschine bemüht, findet eine große Anzahl von Ofenbauern. Und die Allgäuer Ofenbauer sind echte Meister ihres Fachs.

PPS: Nebenbei bemerkt, findet man im Allgäu noch viele Bräuche, die auch auf die Indogermanen zurück zu führen sind: Klausentreiben und Funkenfeuer zum Beispiel, aber das sind andere Geschichten.

 

Links: Kachelofen bei Wikipedia, Berufsbild Ofenbauer,

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Ulrike Heerdegen
vernetzt ...

Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
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