Das Gschnaidt – Mystik im Wald der stillen Kreuze


18. Mai 2017 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Aktivitäten & Erlebnisse,Ausflugsziele in Stadt & Land


Gschnaidt-Grabkreuz-Freidhof

Im Oberallgäu thront auf einer Kuppe zwischen Kimratshofen und Frauenzell der Weiler Gschnaidt. Dieser bereits schon Mitte des 17. Jahrhunderts erwähnte Wallfahrtsort besteht im Wesentlichen aus 2 Kapellen, einem Gasthof, einem Wohngebäude und einigen Schuppen und Nebengebäuden. Dies allein ist nun nicht besonders spektakulär, wäre da nicht eine Kuriosität, die es so vermutlich kein zweites Mal mehr gibt. Aber davon mehr im Verlauf der Erzählung.

Gschnaidt – im Wald der stillen Kreuze

Speisen und Spazieren gehen – im Kreuz

Der Gasthof zum Kreuz (Nomen scheint Omen zu sein) liegt direkt an der Straße in Gschnaidt und ist meist sehr gut besucht. Dies liegt sicher an der einerseits guten Küche und zum anderen auch an den außerordentlich freundlichen Betreibern. Neben Brotzeiten aber auch echten saisonalen Schmankerln gibt es super leckere hausgemachte Kuchen, so dass keiner hungrig vom Tisch geht. Ob nun Ausgangspunkt einer Wanderung auf ausgeschilderten weitläufigen Wanderrouten oder aber Ziel nach einer Fahrrad-, Motorrad- oder Cabriotour – das Gasthaus zum Kreuz ist genau die richtige Lokalität.

Aber Achtung – beherrscht wird die Lokalität von einem Kater, der weder Mensch noch Hund fürchtet. Wie mir glaubhaft von der Betreiberin des Gasthauses versichert wurde, ist er der heimliche Herrscher in Gschnaidt.

Sagen und Schreiben

Wie kann es anders sein, ranken sich natürlich auch um den Wallfahrtsort Gschnaidt zahlreiche Sagen. So zog es einen Eremiten aus einem aufgegebenen Kempter Kloster in diese Einöde, wo er viele Jahre unter freiem Himmel im Einklang mit der Natur lebte. Nach Jahren der Einsiedelei traf ein ehemaliger Klosterbruder auf ihn und berichtete ihm vieles aus der Welt da draußen. Trotzdem wollte der Einsiedler nicht fort, aber bat den Bruder, ihn nach Jahren wieder zu besuchen. Als der Bruder schließlich wiederkam, fand er den Einsiedler verstorben. Beim Versuch, den Leichnam zur Bestattung ins Tal zu bringen, kehrten die Pferde jedoch immer wieder um und strebten dem Hügel entgegen. So begrub man schließlich den Einsiedler dort oben, wo heute die Kapellen stehen.

Eine weitere Sage berichtet von merkwürdigen Schriften und Zeichen im Schnee im Winter 1845. Da kein Mensch oder Tier zu sehen war, schrieb man das Ganze übernatürlichen Mächten zu. Vielleicht entstand der Name des Ortes auch aus diesem Ereignis (gschneit – Gschnaidt).

Eine weitere Legende beschreibt folgendes Ereignis. Auf ein Bild, das heute in der Basilika zu Ottobeuren hängt, schoss einst ein Mann, worauf er sofort wie vom Blitz getroffen zu Boden sank und starb.

Die beiden Kapellen, die in Gschnaidt erbaut wurden, sind Ziel zahlreicher Wallfahrten aber auch Stätten innerer Einkehr. Sehr viele Wünsche von Menschen, die für sich oder ihre Liebsten etwas erbitten, säumen die Wände.Es liegt eine eigenartige Stille und ein ruhiger Frieden über diesem Ort und lädt damit zur inneren Einkehr und Besinnung auf. Wenn man die unterschiedlichsten Bitten und Wünsche der Menschen mit ihren Sorgen und Nöten liest, wird man sehr schnell demütig. Auch ich habe eine Kerze für meine Liebsten angezündet.

Ein letzte Ruhestätte für Grabkreuze

Schon seit vielen Jahren sammeln sich im Waldstück um die Kapellen die hölzernen Grabkreuze der Verstorbenen. Es müssen wohl hunderte dieser Kreuze sein, die dort zu Haufe aufgestellt sind. Zartbesaiteten Naturen mag dieser Anblick einen Schauer den Rücken runterjagen. Ich persönlich finde den Anblick beruhigend und vielleicht auch etwas tröstlich Ermutigendes. Abgesehen davon, dass viele nicht wissen, was sie mit dem provisorischen Grabkreuz später machen sollen (wegwerfen sei pietätlos und mit nach Hause nehmen irgendwie gruselig), findet hier über alle Stände und Zeiten hinweg die Erinnerung an geliebte Menschen eine Heimat. Es ergibt sich fast eine neue Gemeinschaft von Menschen im Tode, die sich untereinander im Leben in weiten Zügen nicht gekannt haben. So dauert das Leben im Tode fort.

 

Eine heilende Quelle und eine Passion

Im Wald unterhalb des Gschnaidter Hügels liegt eine Quelle, der bei Augenleiden heilende Wirkung nachgesagt wird. Es ist wohl auch die Quelle, die in der Sage vom Einsiedler erwähnt wird als „Lab für den dürstenden Eremiten“. Hier beginnt  auch eine beeindruckende Passion – ein Kreuzweg, der den steil ansteigenden Stufen des Weges hinauf nach Gschnaidt folgt und in 12 Stationen den Leidensweg Christi nachzeichnet. Er endet an den Kapellen und ist absolut sehenswert.

 

Quintessenz

Ein Besuch in Gschnaidt lohnt sich allemal,
ob man nun aus gläubigen Motiven hierherkommt,
auf den Spuren von Allgäuer Sagen ist
oder auch nur nach einem Spaziergang Leib und Seele im Gasthaus Kreuz erfrischen möchte.

Ich denke, an diesem Ort der Besinnung und Einkehr (im wahrsten Sinne des Wortes)
findet jeder sein Ziel und erlebt ein paar Stunden, an die er sicher gern zurückdenkt.

                   Roland

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Roland Popp

Roland Popp

Sicherheitsexperte bei RP security solutions
Hobbys:
Entdecken & Schreiben
Fliegenfischen & Hund "Fidel" bewegen

Beruf:
Sicherheitsexperte und Inhaber der
RP security Solutions

eMail: roland.popp(at)rp-security-solutions.de
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