Frau Holle / Perchta und die Rauhnächte im Allgäu


27. Dezember 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Tradition, Brauchtum & Kult


Rauhnächte im Allgäu

Griaß di, Servus & MoinMoin,

… das mit Frau Holle und den schneienden Betten schütteln, kennt jedes Kind. Und dann waren da noch die Fleißige Goldmarie und die faule Pechmarie – die Eigenschaften klar definiert, damit der junge Mensch sofort weiß, wo es lang geht …. Aber Frau Holle ist viel mehr, Frau Holle ist die himmel-und erdumspannende Muttergöttin, sie regiert über die Jahreszeiten, schützt das Haus, Mensch und Tier und sie heilt. Sie ist sehr weise und gütig. Je nach Region hieß sie  „Hel“, „Holla“ oder „Holda“. Sie hat zwei Gesichter: hell und dunkel, wild und sanft, Tod und Leben, Vergangenheit und Zukunft.

Frau Holle heißt im Allgäu „Perchta“

In der gesamten Alpenregion war „Berchta“ oder „Perchta“ die weibliche Göttin. ( CSU hin oder her!) Und wie das Brauchtum der Klausen und die Tradition des Bärbeletreibens hat sich der Kult um Frau Percht bis in unsere Zeit gerettet. Das keltische Bärbele- und Klausentreiben ist zwar mittlererweile eher ein Event, aber die Perchta ist noch fest in den Köpfen der Landbevölkerung verwurzelt. Vorallem in den Rauhnächten, erinnert man sich gerne daran.

Frau Perchta, die Göttin, legt sehr viel Wert darauf, daß der Mensch sich an Regeln hält, fleißig und ordentlich ist. Kommen die Rauhnächte, dann veranstaltet die Perchta ihren alljährlichen Umzug. Und dann, ja dann gehts mal wieder richtig mystisch zu, im Allgäu …

 

Mystisches Allgäu - gerade in de Wintermonaten geht es wild zu ...

Mystisches Allgäu – gerade in de Wintermonaten geht es wild zu …

Vom winterlichen Sonnwendfest bis zum Drei-Königstag .... Die Rauhnächte.

Vom winterlichen Sonnwendfest bis zum Drei-Königstag …. Die Rauhnächte.

Die Rauhnächte im Allgäu

Finstere Mächte, wandernde Seelen, schaurige Ereignisse, Dämonen übernehmen Haus und Hof, der dünne Schleier zwischen Leben und Tod lüftet sich. Für die germanischen Haudegen waren die Rauhnächte besonders heilig. Denn in der Zeit zwischen dem Jahren zieht die Perchta mit ihren wilden Gesellen ums Haus, und wehe da arbeitet einer schwer, oder wäscht seine Wäsche, wehe es herrscht Unordnung, wehe da war jemand falsch und faul über das Jahr, wehe jemand ist vereist oder hat gelogen und betrogen, wehe, wehe …

In den Rauhnächten ist der Schleier ins Totenreich sehr dünn.

Frau Holle – die Göttin – ist Richterin über Gut und Böse, über Leben und Tod.

Natürlich wird das mit dem „reisen“ heutzutage sehr differenziert gesehe, denn wie kommt man denn sonst zu seinen verstreuten Verwandten und Freunden? Ich kann ja nicht sagen“ Du, Tante Gertrude, leider kann ich heuer Deinen wunderbar trockenen Stollen nicht geniesen, weil Du weißt, die Frau Perchta …!“ Nein, das geht natürlich nicht.

Aber das mit der Wäsche waschen und aufhängen ist wirklich zu beachten! Denn mit dem Waschwasser wird ein Leben aus Deinem Haus gespült und die Dämonen klauen die Wäsche von der Leine und nähen damit ein Leichentuch ….

 

Das Bettlaken - geraubt und von Dämonen zum Leichentuch genäht ...

Das Bettlaken – geraubt und von Dämonen zum Leichentuch genäht …

Rauhnächte: 24. Dezember bis 5. Januar

Diese zwölf Tage, wenn das alte Jahr noch nicht vorbei und das neue Jahr noch nicht richtig begonnen hat, sind Tage der Besinnung, der Buße, des Feierns und des Orakelns. Zwölf Tage, wo jeder ganze Tag für einen ganzen Monat des kommenden Jahres steht. Ob der Tag friedlich oder lustig war, ob das Wetter Kapriolen schlägt, ob genügend gutes Essen vorrätig ist, ob Freunde zu Besuch kommen … in diesen zwölf Tage schärf Deine Sinne, denn das Orakel behält recht. Jeder Tag hat besondere Fragen und vielschichtige Antworten.

Und für alle, wo rund um Xmas mal wieder einiges aus der Spur lief: der 28. Dezember und der 5. Januar kann alles bereinigen! Sind diese zwei Haupt-Raunacht-Tage gut verlaufen, dann ist alles wieder heile. Praktisch.

Ab Mitte der Rauhnächte, ist das Geisterreich offen. Die Seelen der Verstorbenen wandern. Dämonen veranstalten Umzüge und wilde Treibjagden. Die Erdgeister ziehen um … Ja, es ist was los im Alpenraum.

 

Nebelschwaden - der dünne Schleier zum Totenreich öffnet sich

Nebelschwaden – der dünne Schleier zum Totenreich

 

Erdgeister ziehen in eine neue Höhle

Erdgeister ziehen in eine neue Höhle

 

Räuchern & Qualmen für ein positives Jahr

Rauchende Kräuter und Harze und Wärme erleichtern uns den Umgang mit dem Übernatürlichen. Deshalb gehört das Räuchern des Hauses schon immer zum Jahreswechsel dazu. Rauch nimmt schlechte und alte Gerüche auf, verqualmt negative Energie und ungute Gefühle, bringt Dinge in Fluß und steigert Liebesgefühle ….

Das Haus wird gereinigt und gereinigt lebt sichs bekanntlich besser.

Das Haus räuchern reinigt und vertreibt schlechte Energie

Das Haus räuchern reinigt und vertreibt schlechte Energie

Fast weltweit und Brauchtum im Allgäu

Die Raunächte sind über ganz Europa verbreitet: vom Salzkammergut bis nach Bulgarien und vom Baltikum bis zu den Ardenne. Zwischen den Jahren sind die Grenzen ins Totenreich fließend.

Domina Perchta, Frau Welt, Perchtenmuatta, Berchlmuada, Schiachpercht, Glöckler, Schönperchta und wie sie sonst im Alpenraum genannt werden, haben ein Auge auf die strengen Regeln der Arbeit und der Ordnung.

Je nach Region wird irgendwann während der Raunächte ein Räucher-Ritual vollzogen.

Ist auch bis Bethlehem etwas Allgäuer Mystik verbreitet gewesen? Oder warum sonst bringt in der Weihnachtsgeschichte der König was zum Räuchern mit zur Krippe? Und das am Ende der Rauhnächte am 6. Januar. Ist das ein Zufall, oder wird einfach überall geräuchert? Wahrscheinlich hat sich keltische Religion und Natur-Religion einfach mit dem christlichen Glauben vermengt …

und daraus entstand: Gelebte Tradition.

 

Sternsinger bringen ihren Segen in das (frisch gräucherte) Haus.

Sternsinger bringen ihren Segen in das (frisch gräucherte) Haus.

 

Lesetipps / Bücher:

Viel wissenswertes über Rauhnächte: Mythen, Sagen und Tipps und Ideen, wie wir diese besondere Zeit zwischen den Jahren für uns nutzen können:

 

                      

 

… und dann noch ein Krimi und Wissenswert-Kulinarisches zur Rauhnacht …

          

 

 

Quintessenz:

Das „Mystische Allgäu“ ist eine Alternative zum Fernsehschauen.
Ein wenig gruselig geht nämlich immer.

Und der Besuch bei Tante Gertrude läßt sich vielleicht doch absagen!

Allgäuweit findet sich Weihrauch, Gold und Myrre nur in der Kirche …

Paß auf Dich auf, vergiß das Wäschewaschen und beachte das Orakel

                                                                Deine Ulli

Eine schöne Beschreibung der Göttin Holla,

Holla-Sagen mit der Allgäuer Sagenerzählerin Ulrike Aicher

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Ulrike Heerdegen
vernetzt ...

Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
Ulrike Heerdegen
vernetzt ...
Kommentare
  1. Ulrike Heerdegen said on 6. November 2017 12:07:

    Danke für das Lob, ja wir im Allgäu räuchern noch sehr viel – vorallem in den ländlichen Regionen. Beste Grüße ind NAchbarland, Ulli

  2. Räuchern in den Rauhnächten said on 1. November 2017 20:18:

    Hallo,

    sehr schön wie ihr das im Allgäu handhabt! Toller Bericht zum Räuchern in den Rauhnächten. Das ein oder andere werde ich mir abschauen und dieses Jahr probieren!
    Herzliche Grüße