Eine Weihnachtserinnerung – Ein Baby vom Christkind


22. Dezember 2017 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Sinnig & Unterhaltsam


Weihnachtserinnerung im Allgäu

Mit den Wünschen ist es ja immer so eine Sache, und mit dem Erfüllen erst recht. So geschehen auch im Allgäu der Nachkriegszeit … Leider ist der Verfasser unbekannt, aber reizend ist die Geschichte trotzdem. Und vielleicht meldet sich der Junge von damals ja …

 

Eine Weihnachtserinnerung ….

 

Dezember 1946 in einem kleinen Marktflecken im Unterallgäu, kurz vor Weihnachten. Ich war gerade sechs, mein Bruder acht Jahre alt. Er war nicht nur viel größer als ich, sondern auch ziemlich dominant. Immer wusste er alles besser. Deshalb wünschte ich mir sehnlichst ein kleines Schwesterchen, das ich wie eine Puppe lieb haben konnte.

Weihnachtskrippe

Doch mit Wünschen ist es in dieser Nachkriegszeit schlecht bestellt. Der Standardsatz meiner Eltern zu all unseren Kinderträumen lautete stets: „Dazu haben wir kein Geld.“ Da kam ich auf die geniale Idee, das Schwesterchen mir einfach vom Christkind zu wünschen. Dann musste es klappen! Meine Eltern tauschten einen vielsagenden Blick; dann stellte mein Vater kurz und knapp fest: „Wir haben keinen Bezugsschein. Du weißt doch, dass man für alles einen braucht.“ Und damit war die Angelegenheit für ihn erledigt. Nicht so für mich. Nachdem die erste Enttäuschung überwunden war, beschloss ich nämlich, nunmehr diese Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen.

 

Bezugsschein für ein Baby

Wo es Bezugsscheine gab, wusste ich. Ich hatte schon einmal mit der Mama einen geholt. Es dauerte damals ziemlich lange, bis aufgrund dieses merkwürdigen Scheines ein paar Schuhe gekauft werden konnten. Darum war in der Angelegenheit mit dem kleinen Schwesterchen absolut keine Zeit mehr zu verlieren, wenn es noch rechtzeitig bis Weihnachten ankommen sollte.

Also ging ich tags darauf nach der Schule ins Rathaus, um das anscheinend unerlässliche Dokument zu besorgen. Geduldig ließ ich mich mit der langen Warteschlange weiterschieben. Endlich war ich an der Reihe. Kaum reichte ich mit der Nasenspitze über den Schalterrand.

Die Dame auf der anderen Seite lupfte etwas ihr wohlgepolstertes Hinterteil aus dem Drehsessel, damit sie mich besser beäugen konnte.

Dann fragte sie gönnerhaft: „Ja, Kloine, was willsch nochert du?“

Laut und deutlich schmetterte ich förmlich in den Raum: „Ich möchte bitte einen Bezugsschein für ein Baby!“

Wieherndes Gelächter war die Reaktion. Die Schalterdame plumpste auf ihren Stuhl und lachte; lachte, dass ihr die Tränen kamen. Ein Mann neben mir schlug sich ein ums andere Mal auf die Schenkel und röhrte: „Sakra, Sakra! Ja, do legsch die nieder!“

Verständnislos schaute ich in die Runde. Die Erwachsenen waren manchmal schon reichlich komisch. . . Schließlich kramte die Dame ein grünes Formular aus einer Schublade, das sie mir immer noch glucksend überreichte: „Do hosch dein Bezugsschein für a Bäbie.“

Und der Schenkelklopfer gab mir noch den Rat: „Du, Föhl, gib des aber deim Vattr, sonscht nutzt des fei nix !“ Erneutes Gelächter.

 

Scheine

 

Etwas lief schief

Aber das hörte ich schon nicht mehr. Überglücklich rannte ich mit dem Bezugsschein – was immer es gewesen sein mag – nach Hause. Trotzdem muss irgendetwas schiefgelaufen sein, denn die Lieferzeit war wirklich ungebührlich lang. Am Weihnachtsabend lag kein Schwesterchen unter dem Christbaum.

Und wünschen hilft doch!

Erst zwei Jahre später, sieben Tage nach Weihnachten, konnte der Bezugsschein endlich eingelöst werden. Und dann noch falsch. Statt der beantragten kleinen Schwester kam ein Bruder an – ganz verschrumpelt und ohne Haare! Am liebsten hätte ich ihn umgetauscht. Doch die Hebamme sagte, das ginge leider nicht. Man muss es so nehmen wie es kommt. soll aber besser werden im Laufe der Zeit!

Wie gesagt, irgendetwas war schief gelaufen.

 

Quintessenz:

Man weiß ja nie,
wie langsam und unzuverlässig
die Behörden arbeiten…

Würde mich freuen, wenn sich der Verfasser bei mir meldet. Oder der kleine Bruder, (egal ob ohne Haare und verschrumpelt). Und ich hoffe, er nimmt es mir nicht krumm, daß ich diese herrliche Weihnachtsgeschichte hier veröffentlicht habe.

Hier noch der Link zur Weihnachtsgeschichte vom Illerschorsch 2016

 

Dir ein ganz wunderbares Weihnachtsfest,
einen guten Rutsch und alles Gute und Schöne,
Gesundheit, Glück und viele spannende Geschichten für das neue Jahr!

                                  Herzlichst, Deine Ulli

Ulrike Heerdegen
vernetzt ...

Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
Ulrike Heerdegen
vernetzt ...
Kommentare

Cookie Auswahl

Bitte wähle eine der drei Möglichkeiten. Mehr Informationen findest Du unter dem "Hilfe" Button. Hilfe.

Wähle eine Option um weiter zu klicken

Deine Auswahl wird gespeichert.

Hilfe

Hilfe

Bitte wähle eine Option aus, um fortzufahren.

  • Was solls, ich akzeptiere alle Cookies:
    Alle Cookies, auch die welche auf externe Seiten führen, wie Facebook, Google, Amazon, Paypal ....
  • Ich akzeptiere nur Cookies, die im Allgäu daheim sind. :
    Nur Cookies von dieser Webseite
  • Bitte keine Cookies! Ich surf lieber anonym!:
    Keine Cookies, nur die, die für den Lauf der Internetseite nötig sind

Du kannst Deine Einstellung zu den Cookies jederzeit ändern: Datenschutzerklärung. Impressum

Zurück