D´r Kroamer: Dorfladen, Heimat, Café-Treff & micro Bankfilliale


7. November 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Ausflugsziele in Stadt & Land,Dienstleistung & Einkaufen


Dorfladen in Ebratshofen im Allgäu

Griaß di, Servus & MoinMoin,

das Gefühl „daheim“ zu sein, überkommt mich sehr selten. Wenn es passiert, dann aber richtig!  Im „Kroamer“, dem kleinen Dorfladen mit Café-Treff in Ebratshofen, ist genau das geschehen: Gemütlichkeit, Herzlichkeit, ein guter Kaffee, Allgäuer Lektüre, ein unterhaltsames Gespräch mit Susanne Burkart, der Besitzerin vom „Kroamer“. Seit über hundert Jahren das „Handelszentrum“ in dem kleinen Dorf, irgendwo im Westallgäu. Ein Dorfladen mit Heimat-G´fühl!

 

Lesen oder ratschen, ober beides nacheinander - Willkommen im Dorfladen Ebratshofen

Lesen oder ratschen, ober beides nacheinander – Willkommen im Dorfladen Ebratshofen

Wie komm ich denn zum Kroamer?

Zum Café? Zum Dorfladen? Zur Post? Zur Bank?

Ich fuhr ein paar mal den kürzesten – aber nicht den schnellsten – Weg von Gestratz nach Missen, und da liegt Ebratshofen sozusagen dazwischen. Ein Ort, wie so viele im Allgäu. Nichts besonderes, aber doch ganz in Ordnung. Ja, wenn da nicht der kleine Laden an der Hauptstraße wäre.

Der kleine Laden – Edeka ist klar erkennbar – fiel mir auf, weil im Sommer sehr, sehr einladend vor dem Eingang aufgestuhlt war. Ein kleiner Einkehr-Garten vor dem Haus. Und jedesmal, wenn ich vorbeifuhr, stärkten sich dort mehr oder weniger erschöpfte Radl-Fahrer. Und diese Radfahr-Pause sah nach einer sehr entspannten und längeren Pause aus. Ich kombiniere: Lange Pausen verbringt man nur in angenehmer Umgebung, also ….

Nix wie hin, zum „Kroamer“:

Du findest den Kroamer auf der Allgäu-Karte oder in Ebratshofen 33, 88167 Grünenbach.

 

D´r Kroamer-Laden: Ein Familienbetrieb seit über 100 Jahren

Entsteht das besondere Heimat-Gefühl der Gäste dadurch, daß die Authentizität fast greifbar ist? Daß das Gefühl von Beständigkeit und Unaufgeregtheit spürbar ist? Oder ist es die Selbstverständlichkeit, mit der der selbstgebackene Kuchen serviert wird? Das harmonische Chaos im kleinen Laden, der aus allen Nähten zu platzen scheint, aber doch ein wirklich sehr umfangreiches Sortiment bietet?

Was es auch ist, hauptsache diese positive Stimmung ist spürbar.

Das Sortiment:

Zu finden sind neben den normalen haltbaren Lebensmittel auch Obst & Gemüse, Wurst & Allgäuer Käse, eine gute Brotauswahl, ein Bio-Regal mit Produkten von Alnatura, Haushaltsartikel für den täglichen Gebrauch, Zeitungen & Zeitschriften … irgendwie alles.

D´r Kroamer ist über 100 Jahre im Familienbesitz

Der Kramer-Laden war IMMER in weiblicher Hand.

Er war fast noch nie geschlossen!

                                                                                                (In der Besatzungszeit wurde er kurz als Casino zweckentfremdet)

Anwesen Ebratshofen: Rosa Müller vor dem Dorfladen & Poststelle.  (Bilder: Manfred Müller)

Anwesen Ebratshofen: Rosa Müller vor Ihrem Dorfladen mit Poststelle. (Bilder: Manfred Müller)

Immer in weiblicher Hand - und immer familiär: Hier ein Bild aus den 70er Jahren vom Dorfladen Ebratshofen

Immer in weiblicher Hand – und immer familiär: Hier ein Bild von Maja Burkart /Ende der 50er Jahre.

Dorfladen im Allgäu - gut sortiert und ziemlich urig.

Dorfladen – gut sortiert und ziemlich urig.

Kroamers Einkehr-Stube, das Café-Treff

Wie in so vielen Dörfern schließen auch im Allgäu die Wirtschaften, die früher zu jeder Kirche gehörten. Es fördert das soziale Miteinander, das Treffen in der Wirtschaft. Stammtisch-Ratsch, Karten spielen, „Familie ausführen“, Vereinstreffen, eine Frauen-Quassel-Runde – die Menschen brauchen einen reelen Ort zum zusammenkommen. Doch auch in Ebratshofen gab es keinen Treffpunkt mehr.

Was die IG-Oma in Martinszell geschaffen hat, das realisiert Susanne seit drei Jahren mit Ihrer Einkehrstube, Ihrem Café.

Als das kleine Reisebüro nebenan mehr Platz brauchte, und deshalb auszog, ergab sich die Erweiterung des Dorfladens zur Erbratshofener Einkehr-Stube. Die Burkart-Frauen packen tatkräftig an. Die alte Ladeneinrichtung, verschiedene Stuhl- und Tisch-Kombination, eine originelle Theke wird aufgemöbelt. Susanne näht Kissen über Kissen, Vorhänge & Tischdecken. Die Wirtschaftskonzession wird beantragt.

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Gemütliche Einkehr im kleinen Dorfladen: Stuhl-Mix und alte Ladeneinrichtung

 

Die Details geben dem Kroamer das Flair.

Die Details geben dem Ganzen das Flair.

 

Auch die Gardarobe scheint aus alten Besteck- zu sein.

Auch die Gardarobe scheint aus alten Beständen zu sein.

 

Jetzt treffen sich am Dienstag die Strickfrauen, am Freitag ist Schafkopf-Abend, die Vereine halten im Kroamer ihre Sitzungen und Treffen ab, es kommen Frühstücker und Frühstückerinnen, die Arbeitstätigen auf ne schnelle Brotzeit, die besagten Radler und Wandervögel, Durchfahrer und Durchfahrerinen (ich), Kaffeetanten und Kaffeeonkel und auch sonst jeder, der Lust auf ein wenig soziales Miteinander verspührt.

Gesprochen wird auch mal quer über die Tische,

wenn es gerade Neuigkeiten zu erzählen gibt.

Und wenn eine private Feier ansteht, dann öffnet Susanne Burkart nach Absprache (Tel.:08383/300) ihre „Kroamer Einkehrstube“ auch für eine geschlossene Gesellschaft. Alles kann, nichts muß.

Und wie kommt jetzt die Bank in den Dorfladen?

Der Schwiegervater von Susanne führte lange Zeit die Raiffeisenbank in Ebratshofen. Nach seinem frühen Tod übernahm die Volksbank die Zweigstelle im Haus, und war dort bis 2005 Mieter. Als die Filliale geschlossen wurde, waren die Ebratshofener – vorallem die älteren Herrschaften – vom Bankennetz ausgeschlossen. Jetzt ist Susanne Burkard nicht nur Ladenbetreiberin, sondern auch gelernte Bankkauffrau. Praktisch veranlagt, mit dem Gespür für Notwendigkeiten, übernahm sie vor über 10 Jahren die banktechnische Nahversorgung im Auftrag der Volksbank Allgäu. Sozusagen einen Bank-Service über den Ladenbuddel.

So gemütlich, findet man wohl so schnell keine Bankfiliale mehr. Oder kennt Ihr eine Bank in Deutschland in der kompetent, bei einer heißen Tasse Schokolade, Geldgeschäfte besprochen werden?

Altes Emaille-Schild der Bank in Ebratshofen

Altes Emaille-Schild der Bank in Ebratshofen: Spareinlagen wurde schon damals gerne genommen!

Die Öffnungszeiten:

Montag – Freitag von 7.30 – 12.30 Uhr und von 14.30 – 18.00 Uhr
Samstag von 7.30 – 13.00 Uhr

Hübsch kommt er daher, der Flyer vom Kroamer-Laden-Café-Bank-Post-Verbund

Hübsch kommt er daher, der Flyer vom Kroamer-Laden-Café-Bank-Post-Verbund

 

Quintessenz:

Mich erinnert alles an meine Kindheit auf dem Dorf.

Wer die Telefonnummer 300 besitzt,
ist garantiert beständig.

Ebratshofen ist gleich am östlichen Ausgang vom Naturschutzgebiet Eistobel!
Wandern & Einkehren 🙂

Wäre schön, wenn wir alle die kleinen Dorfläden mehr unterstützen würden,

weil es nicht um ein paar Münzen mehr geht, sondern um das soziale Gefüge.

                                                                                                       Eure Ulli

Link: Leider gibt es noch keine Internetseite vom Kroamer´s, aber vom Eistobel,

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Ulrike Heerdegen
vernetzt ...

Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
Ulrike Heerdegen
vernetzt ...
Kommentare
  1. Bea Poschenrieder said on 24. Dezember 2016 16:24:

    Toller Bericht mit tollen Fotos, aber mir fehlt ein Foto von der fleißigen, fröhlichen, hübschen Wirtin und Café-Gestalterin Susi!

  2. ulli said on 1. Dezember 2016 11:39:

    Hier noch ein Nachtrag von Manfred Müller. Herzlichen Dank dafür!

    Die Eröffnung des Cafes ist ein Quantensprung für das Dorf und das Dorfleben, wieder eine Anlaufadresse, ein Treff- und Begegnungsort. Das Cafe schließt eine langjährige Lücke. Den Verlust von früher 3 Wirtschaften nach den 50-er kann man jetzt vergessen!

    Noch ein paar Details zu dem Bericht:
    ·
    Über 100 Jahre im Familienbesitz

    Das vom Zimmermeister Johann Georg Rist (1853-1918) erstellte Anwesen „Rist > Müller > Burkart > Burkart“ ist in einem alten Grundsteuer-Kataster bereits 1897 als Wohnhausneubau aufgeführt. Häuser diesen Typs aus der gleichen Werkstatt gibt es noch heute einige in Grünenbach, Ebratshofen und Sibratshofen.

    · Immer in weiblicher Hand

    Es führten immer die jeweiligen Ehefrauen – Maria Rist bis 1929, Rosa Müller bis 1955, Maja Burkart bis 1990, Susanne Burkart bis heute – das Geschäft. Deren Männer waren / ist hauptberuflich außer Haus tätig. Wohl nach „altem Allgäuer patriarchalischem Denken“ firmierte das Geschäft aber stets unter dem Namen – auch der eingeheirateten – Ehemänner.

    · Laden nie geschlossen

    Dank der fließenden Französischkenntnisse von Franz Müller – in der kritischen / schwierigen Phase nach dem 2. Weltkrieg. Ebratshofen war als Grenzort der französischen Zone von einem zur Einwohnerzahl überproportionalen französisch / marokkanischem Truppenkontingent besetzt – wurde das Haus nur weitgehend beschlagnahmt und diente als Offizierskasino.

    · Wie kommt die Bank in den Dorfladen?

    1920! Nach dem ersten Weltkrieg gründeten die Ebratshofener einen Raiffeisen-Verein. Rosa Rist (1896–1955) bestellten sie zur ersten Kassiererin / Rechnerin. Sie konnte in ihrem Haus auch einen Kassenraum zur Verfügung stellen. Bis 1970 waren die Ehemänner der das Kolonialwarengeschäft führenden Ehefrauen nebenberufliche Kassiere / Rechner dieser Darlehenskasse / Raiffeisenkasse, Franz Müller (1895-1962) über 30 Jahre, Wolfgang Burkart (1921-1972) 9 Jahre. Verbunden mit der Raiffeisenkasse war auch bis in die 50-er ein Lagerhaus zur Versorgung der Landwirte mit Kunstdünger, Futtermittel usw. bzw. der Bevölkerung mit Kartoffeln usw..
    Die Fusionierung der Raiffeisenkasse mit der Volksbank Isny wurde jedoch nicht durch den – ja nicht absehbaren – plötzlichen Tod von Wolfgang Burkart (1972) verursacht. Sie erfolgte vielmehr aus gesamtwirtschaftlichen Gründen bereits vorher zum 31.12.1970

    · Telefonnummer 300

    Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im Hause eine amtliche Posthilfsstelle u.a. mit einem öffentlichem Fernsprecher – Rufnummer 100 – eingerichtet. Sie bestand bis Ende der 50-er. Um diese Zeit musste diese Rufnummer aus fernmeldetechnischen Gründen auf 300 verändert werden.

    Vielen herzlichen Dank für diese Zusatzinformationen von Herrn Manfred Müller.