Wildes Bärbeletreiben im Allgäu – BarbaraTag & Barbarazweige


2. Dezember 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Aktivitäten & Erlebnisse,Tradition, Brauchtum & Kult


Wildes Bärbele in Sonthofen / Allgäu - kunstvolle Maske.

Griaß di, Servus & MoinMoin,

Bärbele kommt von Barbara! Jedes Jahr verkleiden sich am 4. Dezember – dem Barbara-Tag – junge, unverheiratete Frauen als alte Weiber. Sie kehren symbolisch den Schmutz weg. Fegen den Unrat aus Haus und Hof. Müttern und kleinen Kindern schenken sie Nüsse und Süßes. Aber, wer sich den Bärbele in den Weg stellt, bekommt Hiebe. Sie sind nicht so wild wie die Klausen am Tag danach, aber es kann auch weh tun. Wenn das Böse und Schmutzige um Mitternacht weggefegt ist, dann gehen die Bärbele nach Hause. Den ganz großen Dreck erledigen dann die Klausen am 5. Dezember.

Das Bärbeletreiben im Allgäu …

Interview mit dem Sonthofener Oberbärbele Andrea

Im Allgäu daheim: Welche Voraussetzung braucht Frau, um Bärbele zu werden?

Oberbärbele Andrea: Unsere Bärbele müssen min. 16 Jahre alt und ledig sein und  Spaß an der Brauchtumspflege haben.

Im Allgäu daheim:  Wird die Verkleidung selber gefertigt? Gibt es Vorgaben, wie die Masken aussehen sollen?

Oberbärbele Andrea: Das Häs (Gewand) ist aus Omas Kleiderkiste oder vom Dachboden. Sollte a alte veratzte Trachtenjacke und a olter Rock sei. Richtig wiascht isch guat! Schellen zum Lärm machen, damit man uns auch hört, wenn ma durch dia Gassa treiben. d´Larve (Maske) isch alls selber baschtelt. Verzierung mit allem was der Wald zu bieten hat. Moos, Tannenzapfen, kleine Äste, Beeren, Blätter. Ein Tuch, um die eigenen Haare zu verstecken. Pferdeschweif als olte Hoor, damit die Mädchen und Frauen in die Rolle der BARBARA schlüpfen können.

Im Allgäu daheim:  Was macht das Bärbele am Klausentag?

Oberbärbele Andrea: Am Klausedog steh ma in de Glühweinbuden vom Verein. Verkaufen Kinderpunsch, Klosamännle aus Hefeteig & Glühwein zu Gunsten des Klausenvereins. Übrigens: dieses Jahr ist Vereinsjubiläum – 40 Jahre Klausenverein Sonthofen.

Los geht´s in Sonthofen mit dem Bärbeletreiben um 20 Uhr

Goislschnölzer und Böllerschützen starten den Spektakel

 

Bärbeletreiben in Sonthofen: Kunstvolle Masken

Die Schnecke auf der Stirn, und die Hagebutte als Warze ist schon der Knaller!

Maske von einem Sonthofener Bärbele: mit Orangenbrille

Durch Orangenschalen sieht´s sich besser. Großartig!

Sonthofener Bärbele im Gruppenbild

Alle Sonthofener Bärbele – diszipliniert zusammen … | Danke an Susanne Seiffert für die Fotos

 

Bärbele-Tag war Gabentag

Da die Bärbele gut zu kleinen Kindern sind, war in früheren Zeiten der 4. Dezember der Tag der Barbara-Gaben: Nüsse, Früchte, süßes Barbara-Brot für die „lieben“ Kinder UND Mütter. Nachdem die katholische Kirche aber schon immer ein gewisses Problem mit starken Frauen hatte, wurde der heilige Nikolaus ins Spiel gebracht. Und peu-a-peu war die Barbara draußen. Religion und Gleichberechtigung sind einfach keine besten Freunde.

Das Bärbeletreiben und die Kelten

Die hl. Barbara ist katholisch, aber das wilde Bärbeletreiben ging niemals aus dem katholischen Glauben hervor. Woher kommt´s dann?

Wie so viele gute Bräuche im Allgäu, ist auch das Bärbeletreiben keltischen Ursprungs. Unsere Vorfahren, die Kelten, das waren schon wilde Gesellen. Und weil wir Allgäuer uns nur sehr zäh auf „Neues“ einstellen, haben wir den keltischen Brauch einfach mit ins Katholische gezerrt.

Die Äbte und Bischöfe haben sich damals wahrscheinlich gedacht: „Lieber halbwilde Halb-Katholen, als gar keine Schäfchen. Oder am Ende noch reformierte Halbwilde …“ und so wurde im Allgäu immer schon auch die keltische Tradition gelebt.

Bärbeletreiben in Börwang - Tanz & Reinigung von den bösen Geistern

Bärbeletreiben in Börwang – Tanz & Reinigung von den bösen Geistern

Bärbelilauf, oder warum Allgäuer und Franken nichts gemein haben

Am Barbaratag veranstalten die Oberfranken auch eine Bärbele-Aktion: Den Bärbelilauf. Dabei laufen Männer mit Ruten! den Mädchen nach, die noch nach Anbruch der Dunkelheit auf der Straße sind und schlagen sie. So wie damals der Vater seine Tochter Barbara. Erinnert mich irgendwie an die Scharia-Polizei …

Und wenn ich bedenke, daß unser bayrischer Heimatminister ein Franke ist …. Laßen wir das!

Wer war denn jetzt die Barbara?

Die heilige Barbara, der Barbaratag & Barbarazweige

Konstantinopel - der Heimatort der hl. Barbara

Konstantinopel – der Heimatort der hl. Barbara (Bild Museum Schleswig)

die heilige Barbara war mal eine kleine Barbara. Aufgewachsen östlich von Istanbul, war sie ein verwöhntes Gör. Und sie hatte einen Dickschädel. Kaum war der Vater auf einer Geschäftsreise, ließ sie sich – grad mal 16 – taufen. Stell Dir vor: TAUFEN! In der Osttürkei! Und dann wollt das Gör nicht mal heiraten, also nicht den vom Vater Außerwählten.

Also gabs erst viel Strafe, dann kam die Flucht. Damals tat sich ein Berg auf, sie konnt sich verstecken, wurde verraten, wieder gefangen …und dabei verhängte sich ein Kirschzweig im Kleid, der dann am Tage ihres Todes blühte … Der Vater persönlich soll sie geköpft haben. Dafür wurde er dann vom Blitz erschlagen! Manchmal ist die Welt halt doch gerecht.

Der 4. Dezember ist der Tag der hl. Barbara. Sie gehört zu den 14 Nothelfern und zu den drei heiligen Mädchen. Verehrt wird sie in katholischen und griechisch-orthodoxen Regionen. Sie ist Schutzherrin der Bergleute, der Dachdecker, der Schmiede und der Feuerwerker.

Barbara kommt von Barbare

Wir schreiben das Jahr 300 nach Christus. Und sie war eine Barbarin. Barbare = Fremd, nicht eingegliedert.

Sie starb als Jungfrau, und das ist auch in der christlichen Welt irgendwie sauwichtig. Trotz dieser Jungfräulichkeit wurde sie im Laufe der Jahrhunderte als Hauptheilige ausranchiert. Im Allgäu hat das nicht geklappt. Heilige Veränderungen wurden gerne ignoriert. Jedenfalls ist die Barbara immer noch sehr stark im Volksglauben verwurzelt.

Barbarazweige

Traditionell schneiden wir am  Barbaratag Zweige von Obstbäumen. Die Zweige baden über Nacht im lauwarmen Wasser. Dann kommen sie in einer Vase an einen hellen und kühleren Platz. An Weihnachten stellen wir die blühenden Zweige ins Weihnachtszimmer …

Diesen Brauch hatten auch schon die Kelten. Blühten die Zweige am Julfest (Weihnachten), dann kam ein fruchtbares Jahr, so der Glaube.

Firsch geschnittene Obstbaum-Zweige. Die BArbarazweige blühen an Weihnachten.

Firsch geschnittene Obstbaum-Zweige. Die BArbarazweige blühen an Weihnachten. Wahrscheinlich!

So siehts im Idealfall aus ... Barbarazweige in voller Pracht an Weihnachten

So siehts im Idealfall aus … Barbarazweige in voller Pracht an Weihnachten

 

Quintessenz:

Inwieweit die Bärbele beim Bärbeletreiben
heute noch Jungfrauen sind, ist nicht bekannt.

Garantie für die Blütenpracht gibts nicht.

Ein Dreifach GUT BABS!

geschrieben vor dem vierten Dezember,Eure Ulli

Danke Andrea Karpf – dem 1. Oberbärbele von Klausenverein Sonthofen – für die Informationen und die coolen Bilder.

Link: Klausenverein Sonthofen, BrauchWiki Bärbeletreiben,

Weitere Bärbeletreiben am 4. Dezember im Ober-Allgäu

19.30 Uhr    –    Bärbeletreiben in Sonthofen (Hier ist Andrea aktiv als Oberbärbel dabei)
18.00 Uhr    –    Bärbeletreiben in Fischen
18.30 Uhr    –    Bärbeletreiben in Ettensberg
19.00 Uhr    –    Bärbeletreiben in Bad Hindelang
19.00 Uhr    –    Bärbeletrieben in Burgberg
19.00 Uhr    –    Bärbeletrieben in Ofterschwang
18.00 Uhr    –    Bärbeletreiben in Bolsterlang
19.00 Uhr    –    Bärbeletreiben in Oberstdorf
19:30 Uhr    –    Bärbeletreiben in Obermaiselstein

Brauchtum lebt vom mitmachen ... Auf geht´s! Kommt am 4. Dezember zum Bärbeletreiben!

Brauchtum lebt vom mitmachen … Auf geht´s! Kommt am 4. Dezember zum Bärbeletreiben!

 

Bitte keine Hunde mitbringen, da es ziemlich laut und wild zugeht! zur Info: Wie beim Klausentreiben, ist das Bärbeletreiben in Vereinen organisiert. Es gibt genaue Regeln, womit und wohin geschlagen wird. Alle Verkleideten haben eine gut sichtbare Identifikationsnummer und bewegen sich nur im ausgewiesenen Gebiet.

Eure Ulli

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Ulrike Heerdegen
vernetzt ...

Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
Ulrike Heerdegen
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Kommentare
  1. ulli said on 5. Dezember 2016 12:44:

    Liebe Barbara, Danke für Dein Lob. Und ganz toll herzliche Grüße nachträglich zum Namenstag. Viele Grüße, Ulli

  2. Barbara said on 4. Dezember 2016 19:41:

    Toller Beitrag, tolles Interview – und viele Grüße von einer Barbara, die heute doch tatsächlich beinahe ihren Namenstag vergessen hätte …