31. Oktober 1517 – Auch das Allgäu ist betroffen!


31. Oktober 2016 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Aktuelles aus dem Allgäu,Tradition, Brauchtum & Kult


Der Glaube, im Allgäu tief verwurzelt.

Griaß di, Servus und MoinMoin,

das ganze Allgäu ist katholisch! Mal abgesehen, von den Zugereisten. Zugereiste sind Menschen mit Migrationshintergrund. Also die, die von außerhalb des Allgäus kommen. Zugereiste erkennt man an der Sprache, an der Ausdrucksweise. Zugereiste verwenden weniger „Sch“-Laute und sagen „Die Butter“ und „Brötchen“ und so´n Soich. Und sie sind häufig auch nicht katholisch.

HAAALT! Das stimmt doch nicht. Ja wir Allgäuer sind überwiegend katholisch, aber nur auf dem Land. Ganz viel Tradition und Brauchtum beruht auf katholischen oder kirchlichen Begebenheiten. Auch die Wegkreuze, Mariengrotten und Marterl am Wegesrand zeugen von einer tiefen Verbundenheit mit dem Glauben. Aber genauso haben keltische und alemannische Bräuche überlebt.

Wegkreuze & Marterl überall - auf drei Kilometer Weg kommen gefühlt fünf christliche Zeichen.

Wegkreuze & Marterl überall – auf drei Kilometer Weg kommen gefühlt fünf christliche Zeichen.

 

31. Oktober 1517 – Luther, Spalter der katholischen Kirche …

… und Urheber der Reformation, nagelt seine 95 Thesen zur Kirche an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Er widerspricht dem Machtanspruch der Kirche und prangert den Ablaßhandel an und findet viel Unterstützer. Nein, Luther war kein Spalter! Er war wohl eher ein Menschenfreund.

Logischerweise findet das die katholische Kirche gar nicht gut. Aber welche politische oder kirchliche Macht liebt schon Reformer? Oder Weltverbesserer? Keine Macht der Welt liebt kritische Menschen mit Herz und Verstand.

 

Das Allgäu ist betroffen!

Also nicht betroffen, weil die schöne Holztür zu Wittenberg beschädigt wurde, sondern weil der Gedanke an Reformen natürlich auch vor dem Allgäu nicht halt machte. Die Äbte und Mönche bekamen kalte Füße. Sie sahen ihr lukratives Geschäft mit dem Ablaßhandel flöten gehen. War ja auch so praktisch: Erst den lieben Mitbürgern mit dem Fegefeuer drohen, und dann die Hand aufhalten und „göttliches Bestechungsgeld“ einsacken. Die Menschen sahen eine Alternative und wehrten sich. Also nicht alle, aber zumindest die Bewohner der Allgäuer Städte.

Kempten, Isny, Lindau und Memmingen, sie unterzeichneten bereits 12 Jahre später die Protestatio. Protestatio kommt von Protest und ist der Ursprung für die Protestanten. kleine Revoluzzer die Evangelen :-)!

Geschichtlich ist festgehalten, daß 1520 in der Sankt Mang Kirche in Kempten Mönche das erstemal mit den Lutherschen Schriften in Berührung kamen. Dann noch neun Jahre bis zur Abspaltung. Das ist schon ziemlich zackig, wenn man bedenkt, daß die Thesen und die Revolution ja zu Fuß durchs Land getragen mußte. Stolperweg statt Datenautobahn.

Sankt Mangkirche in der ehemaligen Stiftsstadt Kempten

Sankt Mangkirche in der ehemaligen Stiftsstadt Kempten

 

Die Mauer und die Doppelstadt

Nein, die Trennung der christlichen Religion verlief nicht friedlich. Auch nicht im Allgäu. Kempten wurde zweigeteilt: Freie Reichstadt (evangelisch) und Stiftsstadt (katholisch). Der 30jährige Krieg fiel in die Anfangsphase, Katholen und Evangelen führten keinen Handel untereinander, man begab sich nicht in Feindesland, man heiratete nicht über die Grenze. Die Mauer verlief in den Köpfen, und das lange Jahrhunderte durch.

Inwieweit sich die katholische Landbevölkerung in die evangelische Reichststadt traute ist mir nicht bekannt, aber ich geh davon aus, daß diese Unstimmigkeit den Allgäuer Sturschädeln relativ egal war. Bürgertum war den Bauern immer suspekt, egal in welchem religiösen Mäntelchen es daher kam.

Aber: Bevor in Berlin die Mauer gebaut wurde, haben die Kemptener die Mauer überwunden. Ehrlich gesagt war das wohl vorallem, weil Kempten dann unter bayrische Vorherrschaft kam, da gab es neue Feindbilder ;-). Aber das ist eine andere Geschichte.

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Blick vom Sankt Mang Turm auf die Stadt in Richtung Süd-Osten

Der Blick vom Turm der Sankt Mang Kirche in Kempten

Der Turm ist manchmal für die Öffentlichkeit geööfnet. Schaut am besten bei der evangelischen Kirche St. Mang nach.

 

500 Jahre Protestanten im Allgäu & ein neuer Feiertag

Und weil der Luther genau am 31. Oktober vor 499 Jahren seine Revolution gestartet hat, feiert ganz Deutschland – also die evangelische Kirche – ab sofort das Reformationsjahr. Auch in Allgäu gibt es zahlreiche Events die auch von katholischen, jüdischen, orthodoxen, muslimischen und auch sonst allen anderen besucht werden dürfen.

Und weil das Reformationsjahr so besonders ist, haben die Deutschen Länder für 2017 einen zusätzlichen Feiertag in den Kalender aufgenommen. Selbst der vereehrte bayrische Landesvater Seehofer hat für „sein“ Land zugestimmt. Hurra! Es lebe die Revolution.

 

Quintessenz:

Auch evangelische Allgäuer sind echte Allgäuer.

Mauern lassen sich überwinden

Revolutionen gegen die Obrigkeit sind notwendig, aber langwierig.

31.10.2017 ist frei!

                                     Danke Martin!                                              

Deine Ulli

Link: Allgäu evangelisch, Sankt Mang Kirche , Luther 2017

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Ulrike Heerdegen
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Ulrike Heerdegen

Allgäuerin, Landleberin, Bloggerin, Genieserin, Entdeckerin, Netzwerkerin und begeistert von den digitalen Möglichkeiten.

Zum Ausgleich zu meinem Job als Online-Marketing-fachfrau kann auch gut 3 Wochen ohne jegliche Technik auskommen ... "Out of Netz" - wie der Allgäuer zu sagen pflegt 😉
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